ÖIAG: Der ganz normale Wahnsinn von Peter Muzik - Kommentar 23.1.2001

Wien (OTS) - Die Art, wie man mit Rudolf Streicher umgesprungen
ist und wie man ihn abserviert hat, ist, gelinde gesagt, ein Skandal. Es ist in seinem Fall nicht bloss um sachliche Differenzen gegangen, was jetzt so gerne behauptet wird, sondern letztlich um eines jener Machtspielchen, die in Österreich offenbar unausrottbar sind: Der "rote" Streicher, der noch von der rot-schwarzen Ex-Koalition ins Amt gehievt worden war, passte eben der schwarz-blauen Regierung nicht mehr ins Konzept. Auf den Punkt gebracht heisst das: Wolfgang Schüssel, der Streicher noch als Vizekanzler die Räuberleiter gemacht hatte, liess ihn als Kanzler einfach fallen - that¹s life. Weitaus schlimmer als das ist allerdings ein anderes Faktum: Während Rudolf Streicher, der ja hinlänglich bewiesen hat, dass er ein durchaus brauchbarer Manager ist, demnächst mit einer hübschen Abfertigung spazieren gehen wird, bleibt der jetzige ÖIAG-Aufsichtsrat weiter im Amt. Dieses Gremium konnte, trotz zahlloser Vorschusslorbeeren bei Amtsantritt, monatelang alles andere als eine gute Figur machen. Mehr noch: Die viel gepriesenen Top-Experten unter Führung des Papierindustriellen Alfred Heinzel haben in mehrfacher Hinsicht leider ziemlich versagt, nicht zuletzt in Personalfragen. Auch ihr bemühter Regisseur im Hintergrund, der FP-Stratege Thomas Prinzhorn, hat den Überblick offenbar längst verloren. Wie gross die Hilflosigkeit der handelnden Personen sein muss, illustrieren die beinahe grotesken Gerüchte, die seit Tagen kursieren - und ein schrilles Alarmsignal sein müssten: Denn falls der glücklose Telekom-Chef Heinz Sundt tatsächlich als Streicher-Nachfolger in Frage kommt, falls die beiden AUA-Kapitäne Herbert Bammer und Mario Rehulka jetzt wirklich für den Abschuss freigegeben werden und sofern dann Niki Lauda allen Ernstes bei der AUA ein Comeback feiert, dann wäre das eine Art Bankrotterklärung der ÖIAG und ihrer Eigentümer(vertreter). Sollte ein solches Horrorszenario wahr werden, dann wäre das nichts anderes als die Fortschreibung des ganz normalen Wahnsinns, den man von der österreichischen Staatsindustrie seit jeher gewöhnt ist. Der jetzige ÖIAG-Aufsichtsrat müsste daher, nach all dem, was passiert ist, die Zügel schleunigst in die Hand nehmen. Und wenn ihm das nicht gelingt, dann sollte er sich so schnell wie möglich selbst entfernen" (Schluss) PM

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