Tiertransporter bei St. Pölten angehalten: Für Behörden "alles in Ordnung", Tierschützer angezeigt.

Laaben (OTS) - Heute mittag wurde auf der Westautobahn bei St. Pölten in Richtung Osten aufgrund einer Anzeige des VgT - Verein gegen Tierfabriken ein übervoll beladener Tiertransporter mit trächtigen Kalbinnen ("Färsen") von der Autobahn-Gendarmerie angehalten. Der Hinweis kam von einem anderen LKW-Lenker, Hubert Hirscher, der mit seinem Fahrzeug Richtung Wien unterwegs war und dem zunächst die Geschwindigkeit (100 km/h, erlaubt sind max. 80 kmh) und die schlingernde Fahrweise aufgefallen ist. Dieser verständigte den VgT und der wiederum die Autobahn-Gendarmerie. Zur Anhaltung des Tiertransporters der deutschen Fa. Hans Lother aus Essleben (Kennzeichen "SW-HL-852") kam es dann kurz nach St. Pölten in Fahrtrichtung Wien. Der Zeuge Hirscher, der Mühe hatte, den Transporter wegen dessen fortwährender Geschwindig-keitsübertretung und Mißachtens des Überholverbotes überhaupt zu verfolgen, beobachtete weiters, daß der doppelstöckige Transporter zu hoch (über 4 m) war und zudem laufend Exkremente und Urin aus ihm herausflossen, was eine latente Seuchengefahr bedeutete. Dennoch beteuerte der Fahrer der Fa. Lother, er hätte das beste aller möglichen Fahrzeuge... Das würde im Klartext bedeuten, daß eigentlich - gerade in Zeiten wie diesen - sämtliche Lebendtiertransporte verboten werden müßten, wenn sogar die "modernsten" Fahrzeuge nicht seuchendicht sind! Laut spärlicher Auskunft der Exekutive ("Amtsgeheimnis") wurde der Tiertransporter zwar angezeigt, aber anschließend gleich wieder fahren gelassen, ohne daß ein Sachverständiger oder Amtstierarzt zu Rate gezogen worden wäre, um z.B. festzustellen, ob nicht zu viele Tiere geladen waren oder die Angaben auf den Papieren überhaupt mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmten. Oft fahren diese internationalen Transporter ja bis in die Türkei! Wurden die Tiere getränkt und gefüttert? Seit wann waren sie schon unterwegs? Wurden die vorgeschriebenen Pausen eingehalten? Viele offene Fragen, die uns nicht beantwortet wurden. Sicher ist nur, daß der anzeigende LKW-Fahrer mit einer Strafe zu rechnen hat, da er wegen des (erzwungenen) Zuschnellfahrens auch Selbstanzeige erstattet hat. Sein (nur mit Sachgütern beladener) LKW wurde nämlich wesentlich genauer inspiziert als der Tiertransporter! Leider ist diese Vorgehensweise -Abstrafen von Tierschützern statt rigorose Kontrolle und Aus-dem-Verkehrziehen von illegalen Tiertransportern - kein Einzelfall: Allein in den letzten zwei Jahren hat der VgT an die 400.000,- S für unnötige Verwaltungsstrafen nach Tierschutzaktionen (großteils Tiertransportanhaltungen) berappen müssen, während die eigentlich Schuldigen in den meisten Fällen ungeschoren oder lediglich mit Bagatellstrafen davonkamen. Sollten nicht gerade in Zeiten, wo die Konsumenten durch ständig neue Fleischskandale (Salmonellen, Dioxin und Kadavermehle im Futter, BSE und jetzt endlich der Antibiotika- und Hormonskandal) immer hellhöriger und sensibler gegenüber der mächtigen Fleischmafia werden, wenigstens die wenigen bestehenden Gesetze rigoros kontrolliert und exekutiert werden, anstatt diese Leute dauernd nur zu decken und Tierschützer mundtot zu machen? Der VgT hat z.B. bereits seit dem Jahr 1992 permanente Tierquälereien und Medikamentenskandale in österreichischen Schweinefabriken aufgedeckt und angezeigt, geschehen ist jeweils nichts, die Betriebe wirtschaften weiter wie bisher. Behörden und Politiker waren jedenfalls schon lange vor dem letzten Freitag informiert; jetzt von ein "paar schwarzen Schafen, die streng bestraft werden müssen" (Molterer und Haupt) zu reden, ist wohl mehr als scheinheilig. Sie wußten schon etwas länger, daß ein derartig ausbeuterisches Massentierhaltungssystem nur durch den massiven (und großteils illegalen) Einsatz von Medikamenten überhaupt noch funktionieren kann.

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