"Kleine Zeitung" Kommentar: "Falsche Diskretion" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 23.1.2001

Graz (OTS) - Rudolf Streicher geht. Nicht irgendein Manager,
sondern die Galionsfigur der Staatsindustrie räumt vorzeitig seinen Sessel als Vorstandsvorsitzender der ÖIAG.

Der Mann ist zu prominent und das Thema zu politisch, um mit einem Achselzucken die Verlustanzeige zu Kenntnis zu nehmen, wie das der Finanzminister als Vertreter der Republik versucht.

Mit der Floskel, es habe "unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten" gegeben, kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. Wenn die Regierung Streichers Kernaktionärsphilosophie verwirft, muss sie begründen, warum sie anderer Meinung ist. Der Börsengang der Telekom war kein Ruhmesblatt und sollte eine Warnung vor dem raschen Abverkauf der Staatsbetriebe sein.

Auch das Schweigen über den Preis, der Streicher für den Ausstieg aus seinem noch 20 Millionen Schilling schweren Vertrag gezahlt werden muss, ist eine falsch verstandene Diskretion. Die ÖIAG ist nicht die Privatfirma der Herren Grasser, Heinzel oder Prinzhorn, sondern Eigentum des Staates.

Die Bürger, denen die schwarz-blaue Koalition ein Sparpaket nach dem anderen aufbürdet, möchten wissen, wie die soziale Treffsicherheit bei Generaldirektoren ausschaut. ****

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