"Alles außer Waffen": Zuckerbranche trotz Nachbesserung sauer 2

Auswirkungen der Lamy-Initiative: 1 Mrd. Euro Kosten, 40 % Marktanteilsverlust

Brüssel/Paris, 22. Jänner 2001 (AIZ). 4 Die gesamte Zuckerbranche der EU, Rübenbauern und Zuckerindustrie, lief vom ersten Tag des Bekanntwerdens der Lamy-Initiative an gegen eine Öffnung des EU-Zuckermarktes Sturm. Dem schloss sich eine Vielzahl von EU-Mitgliedsstaaten, allen voran Frankreich, Spanien und Italien, mit der offiziellen Ablehnung des Vorschlages im Rat an. Sie alle sehen darin praktisch das Ende der EU-Zuckermarktregelung und weiter Bereiche der Branche. Eine von Agrarkommissar Franz Fischlers Generaldirektion Landwirtschaft (GD VI) verfasste Studie über die Auswirkungen des freien Marktzuganges für Zucker aus den LDC auf den EU-Zuckermarkt bestätigte im Dezember des Vorjahres tatsächlich weit schlimmere Auswirkungen als Außenhandelskommissar Pascal Lamy diese immer verharmlosend als Kleinigkeiten dargestellt hat. "Diese Länder haben keine wirksame ökonomische Flexibilität. Der Gedanke, sie könnten unsere Märkte überschwemmen, ist übertrieben", sagte Lamy noch am Dienstag dieser Woche in einem Hearing des Europäischen Parlaments. Fischlers Agrarexperten sehen die Gefahr dagegen viel größer: Die durch den Lamy-Vorschlag ausgelösten Zuckerimporte in die EU seien weit höher als vom Außenhandelskommissar dargestellt und verursachten für den Zuckersektor der EU zusätzliche Kosten von bis zu 1 Mrd. Euro (ATS 13,76 Mrd.), warnen sie. Die britische Zuckerindustrie spricht von unionsweit 40 % Marktanteilsverlust für die ansässige Branche. ****

Vorigen Mittwoch, nach Verabschiedung leichter Modifikationen am Lamy-Vorschlag in der Kommission, gab sich selbst LamyEs Sprecher Anthony Gooch schon vorsichtiger in der Bewertung der Folgen: "Es ist für uns schwer vorauszusehen, was die Auswirkungen unseres Vorschlages mittel- und langfristig sein werden. Die Folgen würden jedenfalls nicht nur so sehr auch vom EU-Vorschlag selbst abhängen, sondern auch von den LDC selbst beziehungsweise "auch von ihrer Fähigkeit, ihre Exporte zu entwickeln", so Gooch.

Jede Tonne Import ist eine Tonne Quotenkürzung

@Jede Tonne Zucker, die auf diesem Weg in die EU kommt, bedeutet eine Tonne Quotenkürzung(, so das Unternehmen British Sugar in einer ablehnenden Analyse des Lamy-Vorschlages. Das Unternehmen, erfahren mit der Verarbeitung von Rohzucker aus Entwicklungsländern wie den AKP-(Afrikanisch-Karibisch-Pazifisch)Staaten, beziffert das gegenwärtige Zuckerproduktionspotenzial der 48 LDCXs mit 2 Mio. t. Die CIBE meint in ihrem Brief an Lamy sogar 2,7 Mio. t. Von diesem Produktionspotenzial stehen laut dem EU-Rübenbauernverband abzüglich des Eigenverbrauchs der 48 LDC nur 250.000 bis 345.000 t Zucker zum Export zur Verfügung. Ein Drittel davon werde jetzt schon aus diesen Ländern in die EU geliefert. Allerdings fürchtet man, dass rasch eine große Menge Zucker auf Kosten der Eigenversorgung in den Entwicklungsländern aus den LDC in die EU umgeleitet werde.

Die CIBE entgegnet Lamyqs Beschwichtigungspolitik, dass die potenziellen Importmengen ein Klacks für den EU-Zuckermarkt seien, dass die LDC einerseits rasch ihre Produktionskapazitäten ausweiten und andererseits ihre gesamte Zuckererzeugung nach Europa verschiffen und ihren Eigenbedarf aus anderen Entwicklungsländern decken könnten.

British Sugar: EU-Branche verliert 40 % Marktanteil und Quoten

Schätzungen der handelsliberal eingestellten britischen Zuckerindustrie gehen sogar so weit, davon zu sprechen, dass damit bis zu 5 Mio. t Zucker den EU-Markt überschwemmen könnten. Das laufe neben radikalen Preiskürzungen auch für die Rübenbauern letztlich auf einen Verlust der EU-Zuckererzeuger am Heimmarkt von bis zu 40 % und auf genauso hohe Quotenkürzungen hinaus.
(Schluss) pos

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

http://www.aiz-pressedienst.com
FAX: (01) 535 0438

AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, e-Mail: pressedienst@aiz-in.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIZ/AIZ