"Neue Zeit" Kommentar: "Bruno Kreisky" (von Josef Riedler)

Ausgabe vom 21. 1. 2001

Graz (OTS) - Kein Politiker hat seit 1945 den Weg Österreichs so stark beeinflusst und kein Sozialdemokrat hat seit Victor Adler die demokratische Linke des Landes zu solchen Erfolgen geführt wie Bruno Kreisky. Morgen wäre er neunzig Jahre geworden. Nicht nur Freunde der Sozialdemokratie sehen in ihm den größten Staatsmann Österreichs im Zwanzigsten Jahrhundert. Was ihm Österreich zu danken hat, das hat einer der brillantesten bürgerlichen Geister Amerikas, Henry Kissinger, 1990 in einer Gedenkrede gesagt: "Bruno Kreisky war ein großer Patriot, der seinem Land die Würde wieder gegeben hat." Seine politische Gedankenwelt war bestimmt von den Ideen der Aufklärung und des Humanismus. Die Sozialdemokratie war für ihn der Weg, ein Ziel anzustreben, das er in Graz 1976 in einem Vortrag vor dem Katholischen Bildungswerk so beschrieb: "Unter den Menschen ein höheres Maß an Gleichheit zu verwirklichen."

Millionen Österreicherinnen und Österreicher erfüllten ihm seinen Wunsch, auf diesem Weg ein Stück mit ihm zu gehen. Es war die Zeit des höchsten Ansehens Österreichs in der Welt, des größten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und demokratiepolitischen Fortschritts in der Zweiten Republik.

Ob Bruno Kreisky, wenn er es erlebt hätte, über das Österreich des Jahres 2001 verwundert, vielleicht gar entsetzt wäre? Wahrscheinlich wäre er zornig. Nicht nur über die Politik in Österreich, sondern auch darüber, dass nicht einmal seine eigene Partei aus ihren historischen Erfolgen genug gelernt hat.

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