"profil": Streicher stellt Abgang in den Raum

ÖIAG-Chef sieht "wirklich grundsätzliche industriepolitische Auffassungsdifferenz" mit Aufsichtsrat über Kernaktionärsrolle der ÖIAG - befürchtet "Verschleuderung österreichischer Industriesubstanz" - führt deshalb "schon seit längerer Zeit eine heftige Diskussion" mit Aufsichtsrat, der jedoch "den längeren Hebel" hat

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" lässt ÖIAG-Generaldirektor Rudolf Streicher erkennen, dass er damit rechnet, schon bald den Chefsessel der ÖIAG zu räumen. Streicher: "Auszuscheiden ist zweifellos eine der Möglichkeiten. Die Entscheidung liegt in einer solchen Frage aber immer beim Aufsichtsrat."

Streicher erläutert, dass zwischen ihm und dem ÖIAG-Aufsichtsrat seit geraumer Zeit erhebliche Differenzen über Tempo und Strategie der Privatisierung einiger verbliebener Beteiligungen - vor allem von VA Stahl AG, Böhler-Uddeholm und VA Technologie AG - gibt. Streicher:
"Ich bin ein uneingeschränkter und leidenschaftlicher Verfechter der Kernaktionärsphilosophie."

Der ÖIAG-Chef sieht im Falle einer raschen und vollständigen Privatisierung dieser Beteiligungen die Gefahr unfreundlicher Übernahmen der betroffenen Unternehmen, da deren Eigenkapital teilweise um Milliarden über dem derzeitigen Börsenwert liege. Ursache dieser Unterbewertung sei jedoch "die mangelnde Liquidität der Wiener Börse und nicht die ÖIAG-Beteiligung".

Nach Meinung des ÖIAG-Chefs habe es nunmehr jedoch den Anschein, dass der Aufsichtsrat auch diese "Beteiligungen sehr rasch abgeben möchte". Streicher im "profil"-Interview: "Einige Aktivitäten und Ereignisse in jüngster Zeit - unter anderem wurde vom US-Investmenthaus Morgan Stanley eine diesbezügliche Studie verfasst, die jedenfalls vom Vorstand der ÖIAG nicht in Auftrag gegeben wurde -lassen vermuten, dass die Privatisierungsgeschwindigkeit erhöht werden soll."

Über die künftige Privatisierungsstrategie führt Streicher eigenen Angaben zufolge "schon seit längerer Zeit eine heftige Diskussion" mit dem Aufsichtsrat "und insbesondere mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden". Ein Kompromiss scheint mittlerweile höchst unwahrscheinlich.

So betont Streicher, dass sein Standpunkt in dieser Frage "unverrückbar" sei, da er andernfalls "eine Verschleuderung österreichischer Industriesubstanz" und das Abwandern der Unternehmenszentralen aus Österreich befürchte. Gleichzeitig sei der Aufsichtsrat, "was die Kernaktionärsphilosophie betrifft, gänzlich anderer Meinung".

Der ÖIAG-Chef rechnet daher damit, dass der Aufsichtsrat, mit dem er eine "wirklich grundsätzliche industriepolitische Auffassungsdifferenz" habe, in nächster Zeit entsprechende Konsequenzen ziehen wird. Streicher im "profil"-Interview: "Man kann aber jemanden, der mit gutem Recht anderer Meinung ist und im Aufsichtsrat sitzt, nicht immer von der eigenen Meinung überzeugen. Und nach den hierarchischen Gesetzen hat der Aufsichtsrat den längeren Hebel."

Die gegenständliche Diskussion werde daher seiner Meinung nach "in irgendeiner Form eine endgültige sein". Streicher: "Der Aufsichtsrat kann sich jeder Zeit von einem Vorstand trennen, das ist sein gutes Recht."

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