"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Machtwechsel" (von Floo Weißmann)

Ausgabe vom 20. 1. 2001

Innsbruck (OTS) - Pomp und Glorie regieren heute in Washington,
wenn George W. Bush als 43. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wird. Im Hintergrund verbirgt sich ein Stil- und Richtungswechsel in der amerikanischen Politik, der auf die Welt ausstrahlen wird. Uncle Sam mit seinen Kanonen und Dollars sagt weiterhin, wo's lang geht. Er kann es sich sogar leisten, das Murren zu ignorieren, das gelegentlich aufkommt.

Noch ist unklar, wohin die Reise geht und wer am Steuer sitzt. Erst schemenhaft zeichnen sich das neue Machtgefüge in Washington und die neue Ausrichtung der Vereinigten Staaten ab. Der unerfahrene und auf seine konservative Gefolgschaft bedachte Bush hat mit manchem Signal die Verbündeten und die Märkte irritiert. Doch vieles weist darauf hin, das die Suppe weniger heiß gegessen wird, Gelassenheit ist angesagt.

Außenminister Powell ist etwa beim Thema US-Truppen am Balkan bereits zurückgerudert. Und in der Wirtschaftspolitik und der richtungweisenden Frage, was mit dem Budgetüberschuss passieren soll, dürften Notenbankchef Greenspan und die Topmanager in Bushs Administration kräftig mitmischen. Selbst die republikanischen Kreuzritter werden Acht geben, dass die Sicherheits- und Profitmaschine USA nicht ins Stottern gerät.

Was sich aber abzeichnet, ist ein Ende des Clinton'schen Kuschelkurses. Der Begriff nationale Interessen erlebt ein Comeback. Der Weltsheriff schützt sich selber und will sich weniger mit den Problemen der andern befassen. Streit in Sicherheits- und Handelsfragen steht bevor. Die Töne der neuen US-Führung erinnern verdächtig an das, was kürzlich auch aus Moskau zu vernehmen war:
Nation vor internationalem Netzwerk.

Diese Entwicklung muss auch dem vielstimmigen und oft dissonanten Chor der Europäer zu denken geben. Beim Gipfel in Nizza wurde die Chance vertan, mit Ein- und Weitsicht effiziente Strukturen aufzubauen, um dem Bedürfniskatalog aus West und Ost etwas ent gegensetzen zu können. Die Europäer dürfen die heutige Beschwörung der amerikanischen Einheit als Anstoß für neue eigene Anstrengungen verstehen.

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