Graf fordert Tiermehlverbrennung auch in Wirbelschichtkessel

Wien, 2001-01-19 (fpd) - Der freiheitliche Bereichssprecher für Erneuerbare Energien Abg. Ing. Herbert Graf forderte heute die Verbrennung von Tiermehl auch in Wirbelschichtkessel, wie sie in der Holz- und Papierindustrie sowie in Müllverbrennungsanlagen vorhanden sind, weil nur in diesen eine Hochtemperaturverbrennung möglich ist. ****

Durch die BSE-Krise sei die Verbrennung von Tiermehl akut geworden. Derzeit werde das Tiermehl probeweise in dafür adaptierten Verbrennungsanlagen (z.B. in herkömmlichen Dampfkesseln) bei EVUs in verschiedenen Prozentsätzen dem Primärenergiebrennstoff beigemischt. Herbert Graf, der von Beruf auch Planer von Verbrennungsanlagen ist, ist der Ansicht, daß aufgrund der gegebenen Verbrennungsstruktur die Zumischung von Tiermehl als organischer Brennstoff in Wirbelschichtkessel besser geeignet wäre, da in diesen eine Hochtemperaturverbrennung stattfinden könnte.
Zum Vergleich: Während der Brennwert von Braunkohle bei 10 bis 13 Megajoule (MJ)/kg liegt, liegt der von Tiermehl bei ca. 16 MJ/kg (dies entspricht dem Brennwert von ausgezeichnetem Holz oder trockener Biomasse) und jener von Steinkohle bei 25 bis 30 MJ/kg.

Zusätzlich müsse auf folgende Problemmöglichkeiten bei der Verbrennung von Tiermehl hingewiesen werden. Der Stickstoffgehalt von Tiermehl mit ca. 9 % sei in etwa 10 mal höher als bei Kohle, womit auf eine giftige Stickoxidbildung besonders zu achten sei. Die Chloride seien mit 0,41 % ca. 5 mal höher als bei Kohle, womit eine erhöhte Abschlämmung im Rauchgaswäscherbereich vorgenommen werden müsse. Die hohen Bestandteile an Kalium mit 0,48 % und Natrium 0,46 % bilden im Eutektikum bei 500°C aggressive Dämpfe, die eine Hochtemperaturkorrossion erwarten lassen. "Aus diesem Grund ist auch eine Verbrennung in einem Wirbelschichtkessel mit kontinuierlicher Einspeisung bei ca. 1100°C anzustreben. Der hohe Bestandteil an Phosphor mit 2,81 % ist um ein Vielfaches größer als bei Kohle, womit eine hohe Korrossionsanfälligkeit in der Entschwefelungsanlage gegeben ist. Durch das notwendige höhere Rauchgasvolumen muß die Gebläseleistung bei herkömmlichen Kesseln um ca. 50 % angehoben werden, was zusätzliche Investitionskosten und Stromkosten verursachen wird", erklärte Graf.

Abschließend verwies Graf auf die zusätzliche Möglichkeit, die Tierkadaver überhaupt nicht einer Tiermehlverwertung zuzuführen, sondern über Biogasanlagen direkt energetisch zu verwerten. "Aus einer Tonne Tierabfälle könnten ca. 500 Kubikmeter Biogas gewonnen werden. Hierzu muß aber gesagt werden, daß eine Sterilisation und Sicherstellung von Risikomaterialien der Rinder wie das Gehirn, Rückenmark, Augen u.a., durchgeführt werden muß", sagte Graf.

Eine weitere Möglichkeit würde die Weiterverarbeitung von Tiermehl und Tierfett zu Methanol darstellen. "Diesbezügliche Pilotversuche durch die EU haben sich aber als äußerst unwirtschaftlich erwiesen, so daß die Forschung für diese Art von Tiermehlverwertung weiter gefordert ist", ergänzte Graf abschließend. (Schluß)

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 40 110 /5491

Freiheitliches Pressereferat

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NFC/NFC