Gewerbeverein: Brauchen wir einen staatlichen Verbraucherschutz?

Wien (OTS) - Das im Umfeld der BSE-Krise geschaffene deutsche Verbraucherschutzministerium lässt wohl die Frage auftauchen, ob staatlicher Konsumentenschutz wirklich ein derartiges Anliegen ist -oder ob nicht bereits effiziente und effektive private Organisationen diese Funktion viel besser erfüllen. Dass es in Deutschland bisher kein derartiges Ministerium gegeben hat, gibt der Frage wohl Berechtigung. Niemand wird allerdings zweifeln, dass Verbraucherschutzkompetenzen stets bei staatlichen Stellen angesiedelt waren. Grundsätzlich sollte Verbraucherinformationen dem Markt überlassen werden. Die Zeiten eines Hofrat Petuely sind passe, als noch gestritten wurde, nach welchem Rezept Sachertorte herzustellen sei.

Es wird wohl kein noch so gutes Ministerium geben, das einen berät, welches das optimale Auto für den jeweiligen Fahrer ist - kein Auto - so es nicht ein Rückholkandidat ist - ist grundsätzlich bei Neukauf ein Konstruktionsflop. Private Organisationen, wie "diemucha.at" geben zwar subjektive, der VKI der Bundesarbeitskammer relativ objektive Wertungen über Produkte und Dienstleistungen ab. Der zwischenmenschliche Erfahrungsaustausch ist die beste Adresse für Konsumenten-Tipps. Keine Zeitung oder Zeitschrift kommt heute ohne einen Testteil aus.

Verbraucherschutz ist in Gesetzen, Verordnungen und Normen über Gebühr definiert. Übertretungen werden geahndet. Versicherungen tragen das finanzielle Risiko. Schon lange ist somit der Verbraucherschutz nicht mehr die Domäne einer staatlichen Behörde, sondern eines der wesentlichen Treibmittel der Medienindustrie.

Wenn stets von Auslagerungen gesprochen wird - im Konsumentenschutz haben nicht-staatliche Stellen diesen weitgehendst übernommen. Nicht mehr die Minimalanforderung des Gesetzes gilt, der Markt ist im Konsumentenschutz - insbesondere im Internetzeitalter -bereits der effektive Regulator der Waren- und Dienstleistungsströme.

Sich als "Verbraucher" zu verstehen bedeutet, die Vielfalt der Phänomene, denen man sich gegenübersieht, nach ihren Funktionen zu trennen und in eine Rangfolge zu bringen. Kein Verbraucherschutzministerium kann raten, ob eine Rolex besser passt als eine Swatch - beide zeigen hoffentlich die Zeit exakt an. Das öffentliche Bewußtsein fordert den einzelnen ständig dazu heraus, zwischen den verschiedenen Ebenen der Werte zu unterscheiden und sie in einer persönlichen Prioritätenliste zu ordnen - wer Rindfleisch essen, der soll es nicht lassen - Informationen aus den Medien dazu hat er in Überfülle. Ab dem Zeitpunkt der ersten BSE-Fälle hätte jeder Vorsichtige seine Konsequenzen ziehen können. Ministerium braucht man dazu keines.

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