"Wirtschaftslage und Prognose - Stand Dezember 2000"

Neuerscheinung aus 'Zahlen, Daten, Fakten'

Wien (PWK028) - Den jüngsten Konjunktureinschätzungen zufolge hat Österreich im Jahr 2000 voraussichtlich ein reales BIP-Wachstum von 3,3 % erzielt. Damit erreicht die heimische Wirtschaft ein deutlich über dem mittelfristigen Entwicklungspfad liegendes Wachstum. Die Konjunktur konnte sich auf alle wichtigen Nachfragekomponenten stützen. Neben hohen Exportzuwächsen kamen auch von der Investitionstätigkeit und von den privaten Konsumausgaben wesentliche Impulse.

Seit dem Konjunkturhöhepunkt zur Jahresmitte 2000 hat die wirtschaftliche Dynamik aber deutlich nachgelassen. In der zweite Hälfte 2000 hat sich das Vertrauen der Verbraucher ebenso wie ihre Kaufkraft - nicht zuletzt wegen der anhaltend hohen Erdölpreise -merklich verschlechtert. Auch die Unternehmen stufen ihre Absatzchancen zunehmend pessimistischer ein, sodass 2001 mit einer Wachstumsverlangsamung auf 2,6 % zu rechnen ist. Dabei handelt es sich nach heutigem Ermessen nicht um einen markanten und dauerhaften Abschwung, sondern eher um eine "Konjunkturdelle”, d.h. nur um einen temporären Konjunkturabschwung, der 2002 bereits wieder überwunden sein könnte. Nach ersten Prognosen des WIFO liegen die Wachstumsaussichten für 2002 bei 2,8 %.

Die Entwicklung in Österreich vollzieht sich vor dem Hintergrund einer deutlichen Verflachung der internationalen Konjunktur. Das Wachstum im gesamten OECD-Bereich sinkt von 3,5 % (2000) auf voraussichtlich 2,3 % (2001). Dieser Rückgang ist auch darauf zurückzuführen, dass die konjunkturellen Auswirkungen der jüngsten Ölpreiserhöhungen bisher etwas unterschätzt wurden und als Reaktion darauf eine zunehmend restriktivere Geldpolitik betrieben wird. Die USA werden im kommenden Jahr sehr viel von ihrer bisherigen Schrittmacherfunktion für die Weltwirtschaft einbüßen. Für 2001 zeichnet sich mehr als eine Halbierung des Wachstums von heuer ab (von 5 % auf 2,3 %). Damit wird die US-amerikanische Wachstumsrate erstmals seit 1991 unter jener der EU bzw. des Euro-Raumes (Prognose für 2001: 2,8 %) liegen, was auch deutliche Wechselkursverschiebungen zugunsten des Euros ermöglichen könnte. Im Vergleich zu den gesamteuropäischen Perspektiven bleibt das für Deutschland prognostizierte Wachstum 2001 mit 2,5 % etwas zurück. Auch die Wachstumsprognose für Österreich liegt mit 2,6 % für 2001 geringfügig unter dem EU-Durchschnitt.

Die nunmehrige Rückkehr der heimischen Wirtschaft auf eine "Durchschnittskonjunktur” betrifft alle wichtigen Nachfrageaggregate. Der Exportboom dürfte sich 2001 zwar abschwächen, mit einem Plus von real 7 % bzw. nominell knapp 10 % (2000: 12 % bzw. knapp 16 %) bleiben die Warenexporte aber weiterhin eine wesentliche Konjunkturstütze. Parallel zur nachlassenden Exportdynamik verliert auch die Sachgütererzeugung 2001 an Schwung. Die Zunahme der realen Wertschöpfung im produzierenden Bereich sinkt von 6,5 % (2000) auf voraussichtlich 4,5 % (2001).

Die schwächer werdende Industriekonjunktur wirkt sich auch auf die Investitionsbereitschaft dämpfend aus, sodass die Erhöhung der realen Ausrüstungsinvestitionen nach + 6 % (2000) auf + 4 % zurückgeht. Gleichzeitig halbiert sich voraussichtlich auch der vergleichsweise verhaltene Zuwachs der Bauinvestitionen von real + 2 % (2000) auf real + 1 % (2001). Auch bei den privaten Konsumausgaben ist 2001 mit einer geringeren realen Steigerung zu rechnen (+ 2 % gegenüber + 2,7 % im Jahr 2000), was einer Rückkehr auf den längerfristigen Pfad der Konsumsteigerungen entspricht und eine weitere Reduktion der Sparneigung voraussetzt.

Während für das Gesamtjahr 2000 mit einer Teuerungsrate von 2,3 % zu rechnen ist, könnte die Inflationsrate im nächsten Jahr auf 1,5 % zurückgehen. Die Verlangsamung der Teuerung ist vor allem durch den Wegfall des Effektes der stark gestiegenen Energiepreise zu begründen. Weiters werden ab Mitte 2001 die Auswirkungen der Verbrauchsteueranhebungen Mitte 2000 nicht mehr zusätzlich preiserhöhend wirken.

Auf dem Arbeitsmarkt wird die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums das Ausmaß der Beschäftigungsausweitung dämpfen. Nach einer Beschäftigungszunahme von rund 26.000 Personen wird für 2001 aber immerhin noch mit einem Plus von 22.500 gerechnet. Die Arbeitslosenquote geht - in erster Linie aufgrund eines rückläufigen Arbeitskräfteangebotes - weiter zurück (lt. AMS von 5,9 auf 5,3 % bzw. lt. EU-Definition von 3,3 auf 3,2 %).

Die gute Konjunktur 2000 trug auch zur Verringerung des Defizites des öffentlichen Sektors bei. Der negative Finanzierungssaldo des Gesamtstaates wird auf voraussichtlich 1,4 % des BIP sinken. Trotz des geringeren konjunkturellen Beitrages zur Budgetkonsolidierung sollte 2001 eine weitere Reduktion des Ausgabenüberhanges im öffentlichen Sektor auf 0,8 % des BIP erreichbar sein. Der restriktive Budgetkurs auf der Einnahmenseite muss jedoch auch von einer strikten Disziplin auf der Ausgabenseite begleitet werden, um mittelfristig wieder eine Rückführung der hohen Abgabenbelastung herbeizuführen.

Diese und weitere aktuelle Konjunkturtrends des WIFO mit den wichtigsten Eckdaten (Wirtschaftswachstum, Konsumausgaben, Investitionstätigkeit, Außenhandel, Zahlungsbilanz, Staatshaushalt, Arbeitsmarkt, Inflation, Einkommen...) für Österreichs Wirtschaft 2001 und 2002 finden sich in der von Mag. Anton Hauth, Abteilung für Statistik der Wirtschaftskammer Österreich, verfassten Broschüre 'Wirtschaftslage und Prognose - Stand: Dezember 2000', die im Mitgliederservice der Wirtschaftskammer Österreich, Telefon 01/501 05/DW 5050, Fax: 01/501 05/236, e-mail: mservice@wko.at sowie über Internet: http://wko.at/mservice kostenlos zu bestellen ist. (Schr)

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