Die Liesing wird aussehen wie vor 50 Jahren

Die Wasser- und Kanalabteilung wird einen neuen Lebensraum für das Liesingtal schaffen

Wien, (OTS) Umweltstadtrat Fritz Svihalek hat am Donnerstag Vormittag die Pläne für die Neugestaltung der Liesing der Öffentlichkeit präsentiert. Ausgehend von der Idee der Wiener Bevölkerung, einen nahezu absoluten Hochwasserschutz zu
garantieren und dafür zu sorgen, die Wasserqualität der Wiener Oberflächengewässer, Flüsse und Bäche wesentlich zu verbessern, gilt es für die Wiener Umweltpolitiker schon seit vielen Jahren auch dafür einzutreten, zubetonierte bzw. künstlich veränderte Bäche und Flüsse in ihre Ursprünglichkeit zu bringen.****

Von der Betonwüste zum Bach zum Erholen

Vor mehr als 40 Jahren zur "Betonwüste" verkommen, werden Bachbett und die Ufer der Liesing zum zentralen Erholungsraum für die südlichen Bezirke umgestaltet. Kanalbau und Wasserbau der
Stadt Wien arbeiten Hand in Hand, um die Fehler der Vergangenheit
zu korrigieren und die harte Hochwasserschutz-Verbauung der 50er Jahre wieder in eine naturnahe Erholungslandschaft zurück zu verwandeln. Anrainer und Bewohner des südlichen 10. und 23. Bezirkes werden in den kommenden Wochen eingeladen, diese Erholungslandschaft in Details mitzugestalten. Die
Wiederherstellung der Liesing hebt deren Selbstreinigungskraft und bringt somit auch große ökologische Vorteile. Fachleute rechnen in den nächsten Jahren mit der Rückholung von mehr als 30 Fischarten in die neue Liesing. Als Nebeneffekt spart das ökologisch durchdachte Projekt der Stadt etwa 150 Millionen Schilling an Investitionskosten verglichen mit der andernfalls erforderlich gewesenen Nachrüstung der Kläranlage Blumental und zusätzlich 15 Millionen Schilling jährlich an Personalkosten.

Derzeit kann sich das Wasser der Liesing nur schwer regenerieren

Das derzeitige (betonierte) Bachbett der Liesing verhindert
die Selbstreinigung des Gewässers. Das 1912 aus wirtschaftlichen Gründen konzipierte Kanal-Trennsystem (Schmutzwasser wird zur Kläranlage geleitet, Regenwasser in einem eigenen System gesammelt und direkt in die Liesing eingeleitet) belastet in seinem heutigen Zustand die Liesing. Regenwässer von den durch Schmutz, Öl und Gummiabrieb verunreinigten Straßen und vermutliche
Fehleinleitungen aus Haushalten und Gewerbe gelangen über das Trennsystem direkt in die Liesing. Die Kläranlage Blumental leitet derzeit die gereinigten Abwässer in die Liesing zurück. Das führt bei Niedrigwasser dazu, dass bis zu 90 % des Bachwassers aus der Kläranlage stammen. Die Kläranlage Blumental muss aufgerüstet und dem heutigen Stand der Technik angepasst werden.

In den nächsten Jahren ist die Liesing komplett abwasserfrei

In den nächsten fünf Jahren wird die Liesing und ihre Ufer in seinen natürlichen Ursprung gebracht. Die Ausleitungen der Kläranlage Blumental werden durch einen neuen Kanal direkt zur Hauptkläranlage Simmering transportiert. Ab 2005 wird die Liesing nicht mehr durch die geklärten Abwässer belastet. Hausanschlüsse ins Regenwasser-Kanalsystem werden systematisch überprüft, um Fehleinleitungen zu beheben.

Durch das so genannte Trennsystem wird die Liesing noch sauberer

Um die Belastungen für die Liesing zu minimieren, errichtet die Stadt (Magistratsabteilung 30 - Wien Kanal) einen neuen Kanal
im Bachbett der Liesing. Bei Regenfällen nimmt dieser Kanal den ersten, vom Straßenschmutz verunreinigten Wasserschwall aus dem Regenwasser-Kanalsystem auf. Weiters kontrolliert Wien Kanal den korrekten Anschluss der Hauskanäle. Es besteht der Verdacht, dass in Einzelfällen Schmutzwasser-Rohre irrtümlich an das Regenwassersystem angeschlossen sind. Die Ausleitungsmenge der Kläranlage Blumental in die Liesing beträgt durchschnittlich rd. 600 bis 800l/s, wobei der Bach selbst in Trockenperioden nur rund
70 l/s Wasser führt d.h., im Unterlauf der Kläranlage besteht die Liesing bis zu 90% aus geklärtem Abwasser. Ab 2005 gelangen die Abwässer über eine direkte Kanal-Verbindung von Blumental zur Hauptkläranlage Simmering; Blumental selbst wird dann keine Schmutzwasserklärung mehr durchführen. Es gelangen daher auch keine Abwässer mehr in die Liesing. Wie Untersuchungen zeigen, gelangen Abwässer - offensichtlich über Hof-Gullies bzw. Fehlanschlüsse - in die Liesing. Die Analyse der Belastung legt jedenfalls diesen Schluss nahe. Die bei Niederschlägen von den Verkehrsflächen abfließenden Regenwässer sind vor allem bei einsetzendem Regen stark belastet.

Üblicherweise nimmt eine Kanalisation beides - sowohl die häuslichen und gewerblichen Abwässer, als auch die Niederschlagswässer - auf. Nicht so im Einzugsgebiet der Liesing! Hier fließen die Oberflächen-(Regen)-wässer direkt in den Liesing. Nur die Schmutzwässer aus Haushalten, Gewerbe und Industrie werden der Kläranlage Blumental in Inzersdorf (23, Großmarktstraße 5) zugeführt. Diese Anlage wird vom Liesingtal-Sammelkanal (eine der
5 "Haupt-Adern" des Wiener Kanalnetzes) gespeist, der die Abwässer des gesamten 23. Bezirkes, sowie der südlich gelegenen Teile des 10. und 12. Bezirkes aufnimmt. Somit herrscht in dem rund 3.500 ha umfassenden Entwässerungsgebiet überwiegend das so genannte Trennsystem vor.

Riesige Einsparungen sind die Folge

Die durch verschärfte Umweltgesetze erforderliche
Verbesserung der Kläranlage Blumental hätte 650 Millionen Schilling gekostet. Inklusive Wiederherstellung betragen die
Kosten des ökologisch durchdachten Gesamtprojekts jedoch nur 500 Millionen Schilling. Somit hat die Stadt von 150 Millionen Schilling an Investitionskosten eingespart und zusätzlich etwa 15 Millionen Schilling jährlich an Personalkosten für den Kläranlagenbetrieb in Blumental.

Natürlich angelegte Probestrecke in Rodaun hat sich bewährt

Wohnen im Grünen, Wohnen am Bach - diese beiden Sehnsüchte haben in den letzten Jahren zu einer beträchtlichen Zunahme der Wohnbevölkerung im Liesingtal geführt. Die günstige Lage am südlichen Stadtrand und die intensive Verflechtung mit den Umlandgemeinden sind ein städtebaulicher Glücksfall. Aufgabe der Stadt ist es nun, anspruchsvolle Erholungsflächen zu schaffen, die Liesing-Ufer durch einen Radweg zu erschließen, Grünflächen zu sichern und gemeinsam mit der Bevölkerung auszugestalten.
Wasserbau wurde bis in die 80er Jahre überwiegend als technische Planung zur Hochwassersicherung praktiziert. Das Ergebnis ist die aus heutiger Sicht bedauerliche Art der "Regulierung" der Liesing. Von Rodaun abwärts ist der Bachlauf hart verbaut. Die
Unterbrechung der Vernetzung zu den früheren Nebenarmen sowie die Wasserverunreinigung durch industrielle Abwässer führten zu einer Verödung der Liesing als Lebensraum. Derzeit ist nur der 1230 m lange Oberlauf der Reichen Liesing bis Kalksburg naturnahe ausgebildet und von einem Auwald gesäumt. Seit etlichen Jahren
sind die Abteilungen des Umweltressorts bemüht, den Zustand der Gewässer der Bundeshauptstadt zu verbessern. Das Liesingtal ist im Grüngürtel Wiens zur Sicherung stadtteilbezogener Naherholungsräume für die Bevölkerung des 10. und 23. Bezirkes aufgenommen.

Hochwasserschutz und Natur

Moderner Hochwasserschutz wird heute durch ein System von Rückhaltebecken und ausgebauten Bachprofilen gewährleistet. In den drei Becken an der Liesing werden bei Hochwasser bis zu 300.000 m3 Wasser rückgehalten. Dadurch ist es möglich, die Anlieger vor Hochwasser zu schützen und gleichzeitig das Bachprofil wieder naturnahe zu gestalten. Schotterbänke, Baumsäume und Schilfzonen werden die Liesing beleben und bilden die Voraussetzungen zur Wiederansiedlung der typischen Bachflora und -fauna. So können
nach Einschätzung der Ökologen etwa 37 Fischarten die Liesing wieder besiedeln. Heute setzt man im Rahmen interdisziplinärer wasserwirtschaftlicher Projekte Zielsetzungen der Ökologie, Stadtstruktur- und Grünplanung gemeinsam um.

Information und Bürgerbeteiligung

Das Liesing-Projekt wird neue Erholungsräume für die Bewohner der anliegenden Bezirksteile schaffen, aber durch die
erforderlichen Tiefbauarbeiten auch kurzzeitige Unannehmlichkeiten mit sich bringen. Die Stadt (Magistratsabteilung 30 - Wien Kanal
und Magistratsabteilung 45 - Wasserbau) legt großen Wert darauf, die Anlieger über die Pläne und über den konkreten Projektstand frühzeitig zu informieren. Sobald der Beginn der Arbeiten feststeht, erhalten die Haushalte im Einzugs-gebiet der Liesing einen Terminplan zu Informationsveranstal-tungen im Zusammenhang
mit der Wiederherstellung der Liesing und detaillierte
Informationen über das Trennsystem der Kanäle. Schließlich will man unter allen Umständen vermeiden, dass die neue, naturnahe Liesing durch Unwissenheit der Anrainer unnötig mit Abwässern belastet wird. Bürger, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Liesing wohnen, erhalten direkte Gelegenheit, mit der Behörde und mit unabhängigen Fachleuten allfällige Sorgen zu besprechen. Informationen über den neuen Hochwasserschutz, die Minimierung der Belästigung durch das Baugeschehen sind dabei nur ein Teil der Kommunikationsoffensive des Umweltressorts. Wünsche an die Oberflächengestaltung und Details der Ausgestaltung - z.B. Parkbänke, Bepflanzung - der Erholungsräume sind Themen, die konkret und partnerschaftlich ab dem Frühjahr zwischen Anrainern, Planern und Behörde besprochen werden.

Daten und Fakten: Statistisches zur Liesing

o Ursprung: Hochrotherd/Breitenfurt (Wienerwald,

Seehöhe ca. 520 m)
o Mündung: bei Rannersdorf in die Schwechat
o Länge: insgesamt 30 km, davon 22,7 km durch Wien
o Quellbäche: Dürre Liesing, Reiche Liesing
o Einzugsgebiet: ca. 110 km2, davon 45 % im dicht besiedelten

Stadtgebiet
o Harte Verbauung: ab Rodaun
o Wasserführung: sommerliches Niedrigwasser (60 Liter/Sekunde)

größtes dokumentiertes Hochwasser (70.000 Liter/Sekunde, bzw.
70 m3/Sekunde)
o Hochwasserschutz durch 3 Rückhaltebecken mit 300.000 m³

Fassungsraum

o Statistisches zum Sammelkanal

o Offiz. Bezeichnung: Liesingtal Sammelkanal-Entlastungskanal
o Durchmesser innen: 2,40 m
o Lage: im Bachbett der Liesing
o Bemessung: bei Regenfällen 90 % Schmutzfrachtrückhalt durch

Aufnahme des ersten Spülstoßes
o Bauzeit: 2001 - 2005
o Kosten: ca. öS 500 Mio.

o Technik der Hauskanal-Überprüfung

o 3 Kanal-TV-Kameras (ferngesteuert)

Einsatz von Nebelmaschinen zur Auffindung von Fehlanschlüssen
auf den Liegenschaften vom Kanal aus Einsatz von Färbemittel zum Auffinden von Fehlanschlüssen auf den Liegenschaften
(Schluss) hl

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