"Von Lanner bis Rihm": Faschingskonzert des Radio Symphonieorchesters Wien am 26.1. im RadioKulturhaus

Wien (OTS) - Am Freitag, den 26. Jänner gibt das Radio Symphonieorchester Wien - unter Johannes Wildner - im RadioKulturhaus sein jährliches Faschingskonzert. Beginn der Veranstaltung: 19.30 Uhr. "Von Lanner bis Rihm" heißt das
Programm, das anlässlich des 200. Geburtstages von Joseph Lanner dessen wichtigste Orchesterwalzer und -polkas mit jenen von Strauß Vater, Strauß Sohn, Franz Liszt und drei Walzern von Wolfgang Rihm konfrontiert.****

Seit mehr als 200 Jahren grassiert in Wien das Walzerfieber. Schuld daran war - die Obrigkeit. Weil der Hof vor Gewalttaten
Angst hatte, durften sich die Untertanen im öffentlichen Raum
nicht verkleiden. Wer ausgelassen feiern wollte, musste das zu
Hause tun. Der noble Fasching hingegen fand im (Redouten-)Saal statt, und hier entstand die traditionelle Wiener Ballkultur. Erst Joseph II. ließ Bürger daran teilnehmen. Der aufgeklärte Kaiser hat auch den Wirten mehr Freiheiten zugestanden als seine als sittenstreng verschrieene Mutter. Die Gasthäuser erhielten großzügig ausgestattete Tanzsäle. Veritable Walzer-Räusche waren die Folge. Der populäre Gesellschaftstanz fand seine charakteristische Form zwischen den Europäischen Revolutionen 1789 in Paris, 1848 in Wien. Historiker haben ihn als Symbol des
sozialen Wandels gedeutet: Bisher nahmen Tanzlustige nach den strengen Ordnungen des Menuetts oder der Courante gemeinschaftlich das Parkett in Besitz. Nun wurde Individualität groß geschrieben. Jedes Paar suchte sich eng umschlungen seinen eigenen Weg. In den Massen, die sich im Walzertaumel fortreissen ließen, gingen Standesunterschiede unter.

"Der Wiener Walzer übertrifft alles an wilder Raschheit", heißt es 1797 im Journal des Luxus und der Moden. Ein Jahrzehnt später meldete das Blatt, trotz Krieg und politischer Schwierigkeiten
fehle es den Redouten, Tanzsälen und Theatern keineswegs an "zahlreichem Zuspruche". Erwin Ringel sah darin keinen
Widerspruch, im Gegenteil. Gerade, wenn es einem schlecht gehe, wachse das Bedürfnis des "Entschwebens in eine bessere Welt".
Kunst als Trost? Ersatz und Selbstzweck? "Einiges spricht dafür, dass der Wiener Walzer mit der Tendenz, emotionalen Zusammenballungen eine unbedingt benötigte Entlastung zu verschaffen, seine Entstehung und seinen Aufstieg bis zu
weltweitem Ruhm verdankt", meinte der legendäre Psychiater. "Der gesprungene und stürmische Bewegungsstil verwandelte sich im Biedermeier in ein Gleiten und Schweben, das von der Musik nun rhythmischere und stärkere Impulse verlangte. Die dynamischen Walzer von Joseph Lanner und Johann Strauß (Vater) beflügelten das Publikum und rissen es in einen seligen Taumel fort", weiß die Ethnologin Reingard Witzmann.

In der Folge profilierten sich die Strauß-Söhne Johann, Josef und Eduard als Walzerkomponisten - und profitierten davon. Auch andere Größen der Musikgeschichte wie Carl Maria von Weber, Berlioz, Chopin, Tschaikowsky, Liszt, Sibelius, Richard Strauss, Ravel und Schostakowitsch schrieben Walzer. Karikaturen und liebenswürdige Persiflagen finden sich im 20. Jahrhundert bei
Alban Berg, Strawinsky, Satie, Poulenc, Francaix, Britten bis hin
zu Wolfgang Rihm. "Von Lanner bis Rihm" heißt denn auch das Walzerkonzert des Radio Symphonieorchesters Wien unter Johannes Wildner am 26. Jänner im RadioKulturhaus - ein Faschingskonzert
der ganz besonderen Art!(ih)

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