Pressestimmen/Vorausmeldung/Wirtschaft

Presse-Kommentar: Mangelerscheinungen (von Michael Prüller)

Ausgabe vom 18. Jänner 2000

Es mag ja stimmen, daß Österreich Mangel an Informationstechnologie-Spezialisten hat. Zugleich haben wir aber immer mehr Spezialisten für den Mangel an Informationstechnologie-Spezialisten. Und dafür, wie man diesen am besten beheben kann.
Die Diskussion ist ja schon weit über die simple Alternative "Kinder oder Inder" hinaus - also über die Frage, ob man mehr hochgebildete Ausländer ins Land lassen oder doch besser den eigenen Nachwuchs stärker fördern soll. Mittlerweile wurde die Notmaßnahmen-Liste auch um Peter Westenthalers geniale Idee erweitert, durch Zusammenlegung der Sozialversicherungs-Rechenzentren IT-Spezialisten um ihren Job zu bringen und sie damit in die Wirtschaft zu zwingen. Oder um die Idee, arbeitslose Lehrer zu Computerfachkräften umzuschulen. Und es gibt sogar Experten, die auf die Milliarde genau den volkswirtschaftlichen Schaden beziffern können, den der IT-Personalmangel in kommenden Jahrzehnten verursacht.
Die ganze Diskussion ist natürlich Humbug. Niemand kann wissen, wieviel IT-Spezialisten uns heute oder in zehn Jahren tatsächlich fehlen und was uns das kosten wird. Nicht zu rütteln ist aber an dem, was unisono viele Unternehmen beklagen: Wachstumschancen werden tatsächlich oft genug nur durch den Mangel an Personalnachwuchs blockiert. Nur: Da hilft eine erleichterte Zuwanderung (aus Ländern, die noch weniger Spezialisten haben) genauso wenig wie hektische Umschulungen.
Denn brauchbare IT-Spezialisten sind Menschen, die sich gerne permanentem Innovationsdruck stellen; risikofreudig, flexibel und neugierig. Die sich heute schon von Möglichkeiten faszinieren lassen, die erst in weiter Zukunft Realität werden. Menschen mit Unternehmergeist und Unternehmungslust.
Könnte es sein, daß unsere auf Pragmatisierung und Frühpension ausgerichtete Gesellschaft gerade solche Tugenden höchstens bei Skirennläufern akzeptiert - aber sonst, vor allem im Wirtschaftsleben, nach Möglichkeit unterdrückt hat? Daß es uns so gesehen vielleicht gar nicht an Ausbildung, sondern an der entsprechenden Tradition mangelt, um in der IT-Welt am Ball zu bleiben?

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