"Neue Zeit" Kommentar: "Gerechtigkeit" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 17. 1. 2001

Graz (OTS) - Die Wiedergutmachung der Nazi-Verbrechen an den jüdischen Mitbürgern ist ein Ding der Unmöglichkeit. Darüber sind sich alle Seiten einig, sowohl jene österreichischen Institutionen und Unternehmen, die Schadenersatz leisten wollen, als auch die Opfer und deren Hinterbliebene, die eine angemessene Geste erwarten. Diese Angemessenheit ist das Problem bei den hektisch laufenden Restitutionsverhandlungen.

Die bisher von Österreich angebotenen 5,2 Milliarden Schilling sind zweifellos viel Geld. Für die Vertreter der während des Nazi-Regimes zwangsenteigneten Juden ist es nicht einmal eine symbolische Entschädigung, wenn sie für damals schon Millionenwerte heute 100.000 Schilling bekommen sollen. Eine "Ohrfeige" nannte es der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich und der federführende Opferanwalt gab zu bedenken, dass nicht die Verhandler Ansprüche hätten, sondern dass es gelte, den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Das ist der Punkt. Widergutmachung ist unmöglich, aber den Opfern der schlimmsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts steht zumindest zu, dass die Restitutionen ihnen ein Gefühl von Gerechtigkeit vermitteln. Wenn Finanzminister Grasser meint, die österreichische Bevölkerung habe ein Recht auf einen Schlussstrich, stimmt das schon. Diesen Schlussstrich kann es aber nur geben, wenn er von den Opfern akzeptiert wird.

Eine Entschuldigung gibt es nur dann, wenn diese so ausfällt, dass sie auch angenommen wird.

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