ÖGB lehnt Kürzungen der Mindesteinsatzzeiten bei Arbeitsmedizinern ab

Verzetnitsch: Prävention statt kranke MitarbeiterInnen

Wien (ÖGB). Bei einem Symposium der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin, gestern Abend im Oktogon der Creditanstalt zum Thema "Human Capital contra Share Holder Value" stellte ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch fest, dass grundsätzlich zwischen Share Holder Value und Humankapital keine Gegensätze bestehen müssen. "Der Gegensatz wird erst dann gravierend, wenn bekannt wird, dass rationalisiert wird und deshalb Aktien steigen", sagte Verzetnitsch.++++

In einer Zeit, in der immer mehr Flexibilität und Eigeninitiative von den ArbeitnehmerInnen verlangt wird, sollte man nicht über Kürzungen der Mindesteinsatzzeiten bei den ArbeitsmedizinerInnen diskutieren. "Sie müssen auf Grund ihres umfassenden Gesundheitsverständnisses bereits vor Installierung eines Arbeitsprozesses miteinbezogen werden und diesen dann auch begleiten", forderte der ÖGB-Präsident. Keinesfalls darf es so weit kommen, dass Arbeitsmediziner erst dann tätig werden, wenn MitarbeiterInnen bereits krank geworden sind. Vorrangige Aufgabe der Arbeitsmedizin muss die Prävention sein.

"Für mich ist es unverständlich, dass einerseits mit einem immensen Aufwand technische Mittel implementiert werden, anderseits bei der Arbeitsmedizin nur sehr wenig Geduld aufgewendet wird. Wenn man bedenkt, dass die Arbeitsmedizin erst seit 1. Jänner 2000 in den 250.000 Betrieben unter 50 ArbeitnehmerInnen tätig ist, ist das ein extrem kurzer Zeitraum für eine Innovation. Ich würde mir das gleichen Engagement für die Arbeitsmedizin wie für neue Technologien wünschen", sagte Verzetnitsch.

Dass man davon noch weit entfernt ist, untermauerte der ÖGB-Präsident mit einem weiteren Beispiel: Biobauern werden überfallsartig kontrolliert - und hier geht es nur um Produkte -, während die Arbeitsinspektoren, wenn es um die Gesundheit der MitarbeiterInnen geht, nach den Vorstellungen von Wirtschaftsminister Bartenstein in Zukunft nur noch nach vorheriger Anmeldung kontrollieren dürfen. Verzetnitsch abschließend: "Man muss der Arbeitsmedizin, die erst seit dem Jahr 2000 in allen Betriebsgrößen aktiv ist, die Chance geben, sich zu etablieren. Jetzt über Kürzungen der Mindesteinsatzzeiten bei den Arbeitsmedizinern nachzudenken, wäre jedenfalls der falsche Weg." (ew)

ÖGB, 16. Jänner 2000
Nr. 032

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