OeNB - Die österr.Zahlungsbilanz in den ersten drei Quartalen 2000

Transaktionsbilanz

Wien (OTS) - Die österreichische Leistungsbilanz auf Transaktionsbasis (anders als die monatlichen Cash-Bilanzen, die Zahlungsströme messen, enthält die Transaktionsbilanz neben anderen konzeptionell bedingten Abgrenzungen die
periodengerechte Zuordnung der zahlungsbilanzrelevanten Vorgänge (z.B. in der Einkommensbilanz auch die noch nicht vereinnahmten Zinsen).)zeigte in den ersten drei Quartalen 2000 mit
- 4,81 Mrd. Euro (- 66 Mrd. S) ein um 0,90 Mrd. Euro
(12 1/2 Mrd. S) höheres Defizit als im Vergleichszeitraum 1999.
Der Anstieg des Passivums resultierte aus der Erhöhung des
Defizits der Teilbilanz Güter und Dienstleistungen von
0,32 Mrd. Euro auf 1,63 Mrd. Euro. Im Jahresverlauf 2000
zeichnete sich allerdings eine Abschwächung in der Zunahme des Leistungsbilanzdefizits ab wie bereits der aus den Cashbilanzen (Siehe Homepage der OeNB://www.oenb.at: Presseaussendung
Cashbilanz Jänner bis September 2000 vom 24.11.2000.) ablesbare Trend gezeigt hatte. Strukturell betrachtet entfiel im Berichtszeitraum jeweils rund ein Drittel auf die Teilbilanzen Güter und Dienstleistungen, Einkommen sowie Laufende Transfers.

Für den gesamten Euroraum zeigen die vorläufigen Ergebnisse ebenfalls ein im Vorjahresvergleich zunehmendes Passivum der Leistungsbilanz, das überwiegend auf das schlechtere Ergebnis
der Güter- und Dienstleistungsbilanz zurückzuführen ist.

Die österreichischen Güter- und Dienstleistungsimporte
wuchsen im Berichtszeitraum mit einer Zunahme von 14,4 %
(9,41 Mrd. Euro) noch stärker als die Güter- und Dienstleistungsexporte, deren Wachstum mit 12,4 %
(8,10 Mrd. Euro) allerdings auch sehr hoch war. Diese dynamische Entwicklung ist auf die gute konjunkturelle Entwicklung im
gesamten Euroraum zurückzuführen, wobei der Anstieg der Importe insbesondere im ersten Halbjahr 2000 zusätzlich durch
Preiseffekte - resultierend aus dem US$-Kursanstieg und höheren Rohölpreisen - verstärkt wurde. Nach dem Wegfall des im ersten Halbjahr 2000 gegebenen Basiseffekts aus dem Rohölpreisanstieg haben sich seither die Importzuwachsraten abgeschwächt.

Der Reiseverkehr als eine der wichtigsten Komponenten der
Güter- und Dienstleistungen wies im Vorjahresvergleich einen um 0,26 Mrd. Euro geringeren Überschuss auf; die
Reiseverkehrsausgaben der Österreicher im Ausland wuchsen mit
10 % deutlich stärker als die Reiseverkehrseinnahmen mit 5 %.

Das im Jahr 1999 stark angewachsene Defizit in der Teilbilanz Einkommen reduzierte sich im Berichtszeitraum um 0,24 Mrd. Euro
auf - 1,79 Mrd. Euro. Stärkste Einflussgröße für diese Entwicklung waren vor allem die um 0,13 Mrd. Euro höheren Nettozuflüsse der Einkommen aus Sonstigen Investitionen. Auch
die Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen und Portfolioinvestitionen verbesserten sich. Die Einkommen der inländischen Investoren aus Portfolioinvestitionen betrugen im Berichtszeitraum 3,31 Mrd. Euro nach 2,29 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 1999; dies spiegelt den 1999 erfolgten
starken Aufbau der inländischen Portefeuilles mit ausländischen Wertpapieren wider. Der gleichzeitig zu beobachtende Anstieg der Wertpapiereinkünfte ausländischer Anleger, eine Folge des guten Absatzes österreichischer Wertpapiere im Ausland, war vergleichsweise etwas geringer (+0,97 Mrd. Euro auf
5,23 Mrd. Euro).

Der negative Saldo aus laufenden Transfers war mit
-1,39 Mrd. Euro wegen geringerer Nettoabflüsse aus öffentlichen und aus privaten Transfers ebenfalls etwas niedriger als in den ersten drei Quartalen 1999.

Die Vermögensübertragungen wiesen einen Nettowert in Höhe von -0,28 Mrd. Euro auf gegenüber -0,21 Mrd. Euro in den ersten drei Quartalen 1999.

Die Kapitalbilanz war wie schon in den Vorquartalen im Wesentlichen durch die Nettokapitalzuflüsse aus Portfolioinvestitionen bestimmt. Nettokapitalexporte ergaben
sich in den Teilbilanzen Sonstige Investitionen und - wenn auch
in weit geringerem Ausmaß - Direktinvestitionen.

Der Saldo der Portfolioinvestitionen drehte von Nettokapitalabflüssen von 1,95 Mrd. Euro in den ersten drei Quartalen 1999 auf Nettokapitalzuflüsse von 5,86 Mrd. Euro im Berichtszeitraum. Ausländische Anleger erwarben mit
28,87 Mrd. Euro ein um nahezu 10 Mrd. Euro höheres Volumen an inländischen Wertpapieren. Insbesondere wurden wesentlich mehr österreichische Rentenwertpapiere nachgefragt.

Dagegen waren die Kapitalabflüsse aus dem Erwerb von ausländischen Wertpapieren nur mäßig höher (23,02 Mrd. Euro in den ersten drei Quartalen 2000 gegenüber 21,36 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum). Während die Käufe von ausländischen Anteilspapieren und Geldmarktpapieren durch österreichische
Anleger stark anstiegen, nahm das Interesse für ausländische langfristige festverzinsliche Wertpapiere deutlich ab.

In der Teilbilanz Direktinvestitionen ergab sich erstmals
seit 1993 ein Nettokapitalabfluss (- 0,10 Mrd. Euro). Der Kapitalexport aus österreichischen Direktinvestitionen ins
Ausland erhöhte sich um 0,51 Mrd. auf 2,64 Mrd. Euro, der Kapitalzufluss aus ausländischen Direktinvestitionen nach Österreich um 0,16 Mrd. Euro auf 2,54 Mrd. Euro.

Die sonstigen Investitionen drehten von einem
Nettokapitalimport von 4,21 Mrd. Euro in den ersten drei
Quartalen 1999 auf einen Nettokapitalexport in Höhe von
1,48 Mrd. Euro in der Berichtsperiode. Bei weiterhin generell
sehr hohen Umsätzen bestimmten insbesondere die Transaktionen
des Bankensystems in Form von Sicht- und Termineinlagen das Ergebnis.

Eine ausführlichere Beschreibung der Entwicklung der österreichischen Zahlungsbilanz in den ersten drei Quartalen
2000 wird in "Berichte und Studien 1/2001" publiziert.

ZAHLUNGSBILANZDATEN FÜR
1. - 3. Quartal
1999 2000
Cred. Deb. Net. Cred. Deb. Net.
in Mrd Euro

LEISTUNGSBILANZ ............ 73,9 77,8 -3,9 84,4 89,2 -4,8 ----------------------------------------------------------------

Güter,Dienstleist.u.Einkom. 72,1 74,4 -2,4 82,4 85,8 -3,4 Güter und Dienstleistungen 65,3 65,6 -0,3 73,4 75,0 -1,6 Güter 1) ................ 43,9 46,8 -2,9 50,8 53,1 -2,3 Dienstleistungen ........ 21,4 18,8 2,6 22,6 21,9 0,7 Reiseverkehr ......... 8,3 6,5 1,7 8,7 7,2 1,5 And.Dienstl.Positionen 13,1 12,3 0,9 13,9 14,7 -0,8 hievon
NAL ................ 4,2 5,2 -1,1 3,8 6,9 -3,1 Transport ............ 3,0 2,0 1,0 3,5 2,4 1,1 Personentransport .. 1,1 0,6 0,5 1,2 0,6 0,6 Bauleistungen ........ 0,4 0,2 0,2 0,4 0,2 0,2 Finanzdienstleistungen 0,6 0,5 0,1 1,0 1,0 0,1 Patente und Lizenzen . 0,1 0,4 -0,4 0,1 0,3 -0,2 Sons.unternehmensbez.DL 3,4 2,5 1,0 3,6 2,6 1,0 Transithandelserträge 0,8 0,0 0,8 0,9 0,0 0,9 Restl.Dienstleistungen 1,5 1,4 0,0 1,5 1,4 0,1 Einkommen ............... 6,8 8,8 -2,0 9,1 10,9 -1,8 Laufende Transfers ...... 1,9 3,4 -1,6 2,0 3,4 -1,4 ----------------------------------------------------------------

VERMÖGENSÜBERTRAGUNGEN
UND KAPITALBILANZ .......... 4,4 4,6 ----------------------------------------------------------------

Vermögensübertragungen ..... 0,4 0,6 -0,2 0,3 0,6 -0,3 Kapitalbilanz .............. 4,6 4,9 Direktinvestitionen ..... 0,2 -0,1
im Ausland ........... 5,5 7,6 -2,1 1,3 4,0 -2,6
in Österreich ........ 4,1 1,7 2,4 3,5 1,0 2,5 Portfolioinvestitionen .. -2,0 5,9 ausländ.Wertpapiere .. -21,4 -23,0 öst.Wertpapiere ...... 19,4 28,9 Sonstige Investitionen .. 4,2 -1,5 Forderungen .......... -8,2 -16,2 Verpflichtungen ...... 12,5 14,7 Finanzderivate .......... 0,3 0,4 Forderungen .......... 0,2 0,3 Verpflichtungen ...... 0,0 0,0 Offiz.Währungsreserven 2) 1,9 0,3 ----------------------------------------------------------------

Statistische Differenz ..... -0,5 0,2 ----------------------------------------------------------------

1) Basierend auf den Außenhandelsdaten der Statistik Austria. 2) Zunahme: -; Abnahme:+.
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