DER STANDARD, Kommentar am 16.01.2001

"Mutter aller Schlammschlachten - Wiens Wahlkampf wird kurz, aber heftig" Von Roman Freihsl

Wien (OTS) - Es wird ein kurzer Wahlkampf. Und das heißt vor
allem: Er wird ausgesprochen heftig. In Wien droht bis Ende März die Mutter aller Schlammschlachten. Nicht zuletzt, weil sich die FPÖ durch denkbar schlechte Umfragewerte in die Enge getrieben sieht.

Die große Empörung über den "Koalitionsbruch" durch Michael Häupl wird sich jedenfalls schnell legen. Das Kalkül, ein früherer Wahltermin werde den "Koalitionsbrecher" - wie im Burgenland -belasten, scheint nicht aufzugehen. Wie die jüngsten Umfragen zeigen, spricht sich eine Mehrheit tatsächlich gegen einen langen Wahlkampf aus. Der entscheidende Unterschied zum Burgenland: In Wien wird die Wahlvorverlegung nicht benützt, um einen Landeshauptmann zu kippen -hier ist er es selbst, der die Initiative ergriff.

Es werden also andere Themen diesen Wahlkampf beherrschen - und eines führt die ÖVP, aber vor allem die FPÖ schon vor: die Wandmalerei eines rot-grünen Horrorszenarios. Und auf der anderen Seite: ein Feldzug gegen Schwarz-Blau.

Beim ersten Wahlkampf ohne sozialdemokratischen Kanzler im Rücken wird die SPÖ nun vor allem "stadttragend" auftreten. Es gelte, "die Attraktivität der Stadt zu erhalten", erklärte Häupl am Montag. Vor allem aber wird er auch einen Wahlkampf gegen den Bund führen. Schließlich hat die Montag beschlossene Frühjahrswahl vor allem ein Motiv: Die Bevölkerung soll zu den Urnen, solange sie die jüngsten Belastungen durch die Koalition noch gut in Erinnerung hat.

Die ÖVP hingegen hat bereits ein erstes sportliches Plakat affichiert: Bernhard Görg beim Basketballwurf. Sie wird sich auch weiterhin sportlich betätigen müssen - beim Spagatmachen: einerseits den Kanzlerbonus Schüssels nützen - andererseits vorsichtige Distanz üben. Schließlich war Görg jener Landesparteichef, der gegen die Bundeskoalition votiert hatte. Dabei tut sich die ÖVP aber immer noch um einiges leichter als die FPÖ: Offensichtlich werden der Volkspartei die Belastungen durch den Bund weniger angekreidet. So kann sich die ÖVP inhaltlich auf das Privatisieren und das Öffnen von Gemeindebauten konzentrieren.

Die FPÖ hingegen tut sich schon jetzt sichtlich schwer, "ihre" Themen zu setzen. Wie sollte sie auch erklären, dass die stets geforderte Nullzuwanderung von der Bundesregierung nicht umgesetzt wird? Dies nur auf Innenminister Strasser, den liebsten FP- Buhmann in der Regierung, zu schieben, heißt vor allem eines: Die Freiheitlichen setzen sich nicht durch. Eine drohende "Verdoppelung der Zuwanderung" durch eine rot- grüne Stadtkoalition klingt da umso alberner. Genauso, wie die FPÖ erst einmal erklären müsste, wie Rot-Grün eine laut FP angeblich geplante "Drogenfreigabe" auf Wiener Ebene umsetzen könnte.

Aber bei den Freiheitlichen stellt sich ohnehin nur eine Frage: Wer tut es sich an, neben Hilmar Kabas in Wien anzutreten? Die aussichtsreichsten Kandidaten: Helene Partik-Pabl´e und/oder ein so genannter Promi. Und sei es nur jemand vom Format eines Patrick Ortlieb. In dieser Situation wird es jedenfalls interessant, wie sehr sich Jörg Haider nun tatsächlich im Wahlkampf engagiert.

Den Grünen bleibt neben der Selbstdarstellung als Erneuerer vor allem eines: nur ja keinen Fehler machen. Einerseits möchten sie sich möglichst regierungsfähig präsentieren. Aber andererseits - wie die SPÖ - nicht als fix ausgepackelter Partner auftreten. Da kommt der angelaufene Baukartell-Prozess gerade den Grünen sehr gelegen.

Das LiF liefert schon seit längerer Zeit einen Verzweiflungskampf -vor allem einmal gegen die selbst generierten Auflösungstendenzen der vergangenen Monate.

All das ist aber erst die Situation am Start. In Kräfteverhältnis und inhaltlicher Positionierung kann sich in den nächsten Wochen noch einiges ändern. Vor allem im Dauerfeuer der konzentrierten Frühjahrsoffensive eines Wahlkampfes.

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