Aktuelle Studie von AUVA und Akademie für Arbeitsmedizin belegt: Humankapital in Österreichs Wirtschaft völlig unterschätzt

- Herausforderungen der Dienstleistungsgesellschaft werden nicht erkannt - Gefahr für Wirtschaftsstandort Österreich? - Wirtschaftsminister Bartenstein will, angeblich auf Drängen der Wirtschaft, Einsatzzeiten auf Kosten der Betreuung des Humankapitals reduzieren - Rolle von Arbeitsmedizin als Instrument zur Förderung von Humankapital unterschätzt - Arbeitsmediziner läuten Alarmglocken und gehen in die Offensive: Symposium soll Basis für öffentliche Diskussion legen -Kompetenzzentrum soll Methoden zur Förderung von Humankapital entwickeln

Wien (OTS) - Investition in Humankapital notwendig

"Dass die Qualifikation der Mitarbeiter - das Humankapital - für die Profilierung Österreichs als Wirtschaftsstandort im internationalen Wettbewerb von größter Bedeutung ist, gilt als unbestritten. Selbst Wirtschaftsminister Dr. Martin Bartenstein sieht aber den Zusammenhang zwischen erstklassigem Humankapital und Arbeitsmedizin nicht", meint Mag. Brigitte John-Reiter, Geschäftsführerin der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin (AAm).

Humankapital wird immer knapper

Und der Präsident der Akademie, Dr. Karl Hochgatterer ergänzt:
"Anstelle alles Erdenkliche zur Förderung von Humankapital zu tun, will Minister Bartenstein, angeblich auf Drängen der Wirtschaft, beispielsweise die Mindesteinsatzzeiten von Arbeitsmedizinern reduzieren. Arbeitsmedizin könnte jedoch wesentlich zur Mitarbeiterentwicklung beitragen. Er sieht dabei offenbar nur die kurzfristige Kostenersparnis, aber nicht die langfristige Investition." Im Sinne der Bewahrung des Wirtschaftsstandortes solle man, so John-Reiter, aber nicht über Beträge diskutieren, die ein Tausendstel Prozent der Lohnnebenkosten ausmachen, sondern vielmehr über Prozentsätze an Forschungsinvestitionen in diesen Bereichen. "Denn Humankapital ist ein immer knapper werdendes Gut, wie Experten angesichts des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften betonen."

Neue Ansätze dringend nötig

"Neue Ansätze sind dringend nötig", hakt auch Univ.-Prof. DI Dr. Norbert Winker, Direktor der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA), ein. "Denn eine aktuelle Studie (Befragung der mrm Markt- und Meinungsforschung, November 2000, Stichprobe: 300 Interviews mit Vertretern österreichischer Unternehmen, geschichtet nach Betriebsgröße) von AUVA und Akademie für Arbeitsmedizin belegt, dass Humankapital von den heimischen Unternehmen völlig unterschätzt wird."

58% der Unternehmen können mit Humankapital nichts anfangen

58% der befragten Unternehmen konnten mit dem Begriff "Humankapital" nichts anfangen. Nur 28% assoziierten damit "menschliches Kapital". Bei genauerer Nachfrage gaben zwar 60% an, intellektuelles bzw. menschliches Kapital hätte eine große bzw. sehr große Bedeutung für sie. Immerhin 26% messen den Mitarbeitern aber wenig Wert fürs Unternehmen bei.

Herausforderungen der Zukunft werden übersehen

"Damit ignoriert ein Großteil der heimischen Wirtschaft gesamtgesellschaftliche Trends und Entwicklungen, die sich schon seit längerem in der westlichen Welt abzeichnen", interpretiert AAm-Geschäftsführerin John-Reiter die Ergebnisse. "Die Herausforderungen, die der Wandel von der Industrie- zur modernen Informations- und Wissensgesellschaft und die zunehmende Dominanz des Dienstleistungssektors an uns stellen, werden völlig übersehen."

Längere Lebensarbeitzeit braucht gezielte Förderung der Leistungsfähigkeit

Mitarbeiter müssten außerdem zunehmend länger arbeiten, so John-Reiter, niemand zerbreche sich aber offenbar den Kopf, wie die Menschen diese höhere Lebensleistung erbringen sollen bzw. was dazu getan werden muss, dass die Menschen eine höhere Lebensarbeitszeit durchhalten.

Arbeitsmedizin nicht als Pflichterfüllung, sondern als Management-Instrument

Die Rolle von Arbeitsmedizin als Instrument zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und nicht nur zur Gesunderhaltung von Mitarbeitern, wird dabei drastisch unterschätzt: 76% der befragten Unternehmen verstehen unter Arbeitsmedizin die Einhaltung (lästiger) gesetzlicher Vorgaben (konkret des Arbeitnehmerschutzgesetzes ASchG). Nur knapp mehr als die Hälfte nennt als Inhalt von Arbeitsmedizin auch die Förderung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer.

Arbeitsmediziner als Berater neben Anwalt und Steuerberater

Dementsprechend messen auch nur 31% der Befragten der Arbeitsmedizin eine große Bedeutung als Managementinstrument bei. "Dabei geht es heute in der Arbeitsmedizin längst nicht mehr nur um Unfallprävention, sondern um Faktoren wie Betriebsklima, Zeitdruck, Mobbing, etc., die die Leistungsfähigkeit dramatisch erhöhen oder einschränken können", erläutert Hochgatterer. "Moderne Unternehmen, die im Wettbewerb durch Effizienz und bessere Leistung bestehen wollen, tun gut daran, sich auch in diesem Bereich einen Berater -also einen ausgebildeten Arbeitsmediziner - zu holen. In Rechts- oder Steuerrechtsfragen verlässt sich schließlich auch keiner auf seinen Hausverstand."

Bewertungsmethode für Humankapital

Basis dafür sollte ein Bewertungsmodell für Humankapital sein. "Bis dato", so John-Reiter, "gibt es nichts auf diesem Gebiet. Es bestehen zwar Ansätze - wie z.B. jener von Leif Edvinsson - die versuchen, Humankapital zu definieren und abzugrenzen. Eine Methode zur Bewertung der Human Ressourcen in einem Unternehmen existiert aber nicht. Dabei wäre dies vor allem für Dienstleistungsbetriebe, deren wichtigstes Kapital die Mitarbeiter sind, von eminenter Bedeutung. Eine Unternehmensbewertung solcher Firmen (die oftmals kaum nennenswertes Anlagekapital haben) ist ohne Bewertung des Humankapitals immer verzerrt. Interessant wäre demnach, Humankapital mittels einer einfach nachvollziehbaren, standardisierten Methode zu bewerten und diesen Wert sogar in die Bilanz einer Firma einfließen zu lassen."

Kompetenzzentrum geplant

Um unter anderem solche Methoden zu entwickeln, um interdisziplinäre Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Humanressourcen zu leisten und um Unternehmen in Sachen Humankapital zu beraten, plant die Akademie für Arbeitsmedizin, noch im Jahr 2001 ein Kompetenzzentrum einzurichten.

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