Erster BSE-Fall in Österreich - allen Beschwichtigungen zum Trotz?

Warum wird dieser Verdachtsfall ausgerechnet in Deutschland festgestellt? "Verantwortliche" verwenden BSE v.a. zur Selbstdarstellung und Symptomenbekämpfung

Laaben (OTS) - Zu den Fakten: In Schattwald, im Tiroler Außerfern, unmittelbar an der deutschen Grenze, wurde gestern möglicherweise der erste BSE-Fall in Österreich entdeckt. Bei einem Test an einem, in Deutschland geschlachteten und letztes Jahr aus diesem Betrieb exportierten, Tier wurde ein nicht eindeutig negatives Ergebnis festgestellt. In Tübingen soll bis Mitte dieser Woche endgültig Klarheit geschaffen werden. Postwendend kamen auch gleich die offiziellen Beschwichtigungen, zuerst von Landeshauptmann Weingartner und Landesveterinärdirektor Dr. Wallnöfer. Der betreffende Betrieb, ein kleiner Nebenerwerbsbauer, soll nie ausländisches Tierfutter und auch kein Vieh aus dem Ausland gekauft haben. Ähnliches kam - im ORF-"Betrifft" - von LW-Minister Molterer ("der Konsument ist nicht betroffen...") und Gesundheitsminister Haupt ("meine Experten funktionieren..."). Sollte letzteres gar eine Drohung sein?

Wieso wird der mutmaßlich erste österreichische BSE-Fall ausgerechnet in Deutschland registriert, nachdem hierzulande - 2 Wochen nach Beginn der flächendeckenden Tests der über 30 Monate alten Rinder - schon an die 2000 Proben offiziell negativ waren? Wie kommt der oberste BSE-Tester, Prof. Walter Schuller, zu der ungeheuerlichen Behauptung (siehe aktuelles NEWS), in den nächsten 2 Jahren werde es in Ö keinen BSE-Fall geben und sein Gesundheitsminister plappert es ihm nach? Gibt es hier etwa (geheime) Absprachen, was gefunden werden darf und was nicht?

Wenn dieser Fall nun ausgerechnet bei einem Kleinbauern aufgetreten ist, so wundert das auch nicht weiter: erstens befindet er sich gleich an der Grenze, der Handel und Schmuggel funktioniert bei uns seit 6 Jahren offener Grenzen soundso bestens. Zweitens wissen meist die Bauern selber nicht, was in den zugekauften Futtermitteln alles (legal und illegal) drinnen ist, angefangen von Mineralstoffmischungen mit Knochenmehl bis hin zum Milchaustauscher für Kälber mit Rindertalg und Rückenmarksanteilen - beides im Biolandbau verboten (Roland Heynkes in "Betrifft"). Drittens sind die genauen Übertragungswege bis heute nicht restlos geklärt. Britische Wissenschaftler warnen nun erneut davor, daß der Erreger von Mutter auf Kalb über die Milch übertragen werden könnte - und damit natürlich auf die Milchprodukte-konsumierenden Menschen!

Weitere Scheinheiligkeiten aus der "Betrifft"-Sendung: Beate Gminder, eigens von der EU-Verbraucherschutz-Zentrale eingeflogen, behauptet tatsächlich noch gestern: "Tiermehl richtig verwendet, ist kein Problem...". Während die Herren Molterer und Haupt sich nun sogar für ein unbefristetes Verbot der Kadavermehlverfütterung einsetzen, haben sie sich (bzw. deren politische Vorgänger) noch bis vor kurzem - sogar noch nach Auftreten des ersten Falls im Nachbarland Deutschland - mit Zähnen und Klauen GEGEN ein Verfütterungsverbot an Schweine, Hühner, Puten, Pferde und Fische ausgesprochen, da dies "völlig unbedenklich" sei... ÖVP-Minister Molterer macht sich nun sogar für die "Sicherheit der Konsumenten vor freiem Warenverkehr" stark. Wer aber hat vor sieben Jahren die Österreicher am wehementesten in den freien EU-Markt getrieben? Natürlich die ÖVP. Ja er tritt nun sogar für eine "Deklaration der Produkte nach deren Herkunft" ein, eine jahrzehntelange Forderung v.a. der Tierschützer, welche aber das ÖVP-Landwirtschaftsministerium bis dato massiv zu verhindern wußte: So ist noch nicht einmal (verpflichtend) auf den Eierpackungen ersichtlich, ob es sich dabei um Käfig- oder Alternativeier handelt, geschweige denn auf den Fleischpaketen, ob sie aus den (bei Hühnern und Schweinen zu 90% vorherrschenden) Tierfabriken stammen oder artgemäßer Tierhaltung. Lieber klagt die ministeriumsabhängige AMA den "Verein gegen Tierfabriken" auf 500.000,- öS, der diese Mißstände seit nunmehr 9 Jahren aufdeckt!

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