"profil": Steiner: "Viel Erklärungsbedarf"

Versöhnungsfonds-Präsident Steiner glaubt nicht, dass nach 1945 zu wenig für NS-Opfer getan wurde - "Damals hatte doch niemand etwas" - skeptisch bezüglich Akzeptanz der Österreicher bezüglich Einigung über Entschädigung für Arisierungsopfer

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" widerspricht Ludwig Steiner, der Präsident des "Versöhnungsfonds" zur Entschädigung von Zwangsarbeitern unter dem SS-Regime, der These, Österreich habe nach 1945 zuwenig zur Wiedergutmachung für NS-Opfer getan. Steiner:
"Damals hat doch niemand etwas gehabt. Es hat sich gezeigt, dass Entschädigungen sehr gering ausfallen, wenn man zum falschen Zeitpunkt Forderungen stellt."

Das Thema der Entschädigung von Zwangsarbeitern und Opfern von Enteignungen sei aber in der Folge von allen Regierungen bewusst verzögert worden. "Erst die neue Regierung hat gehandelt", lobt Steiner.

Der frühere ÖVP-Außenminister und ehemalige Widerstandskämpfer geht davon aus, dass die Entschädigungsregelung für Zwangsarbeiter von der österreichischen Bevölkerung akzeptiert werden wird. Steiner:
"Man hat da schon viel Erklärungsbedarf. Aber letztlich haben die Leute Verständnis dafür, dass die Zwangsarbeiter entschädigt werden sollen."

Skeptischer ist der Versöhnungsfonds-Präsident, was die Akzeptanz der diese Woche erzielten Einigung über die Entschädung von Arisierungsopfern betrifft. Steiner: "Bei vielen Diskussionen marschiert Herr Ed Fagan geistig mit. Das ist ein schweres Handicap."

Der frühere Außenminister zeigt im "profil"-Interview auch gewisses Verständnis dafür, dass nach Kriegsende keine Einladung an Vertriebene ergangen ist, nach Österreich zurckzukehren. Steiner:
"Natürlich gab es viele Nazis, die sich irgendwie durchgeschwindelt haben und ihre Posten behalten durften. Aber es gab auch durchwegs respektable Leute, die nach dem Krieg Posten bekommen haben. Wie sollte man diese von dort verdrängen?" Dennoch ist Steiner der Ansicht, dass "damals sicher Fehler passiert" seien.

Ausdrücklich begrüßt wird vom früheren ÖVP-Politiker die Entscheidung Wolfgang Schüssels, eine Koalition mit der FPÖ einzugehen. Steiner: "Das war die einzige Alternative. Ich hatte den Eindruck, dass die Form der Koalition zwischen SPÖ und ÖVP einfach aus und überlebt war. Eine andere Alternative gab es nicht" Die Ausgrenzungspolitik gegenüber der FPÖ sei "jedenfalls nicht erfolgreich" gewesen.

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