"Taxi Orange"-Enquete im ORF-Zentrum Wien: Zusammenfassung zweite Publikumsdiskussion am Nachmittag

Wien (OTS) - Im Anschluss an die Statements von Professor Herbert Hrachovec und Jugendpsychiater Professor Max Friedrich leitete Roland Adrowitzer die zweite Publikumsdiskussion. Im Folgenden eine Zusammenfassung einiger Stellungnahmen:

Franz Manola (ORF ON/"Taxi Orange" im Internet) betonte, dass tatsächlich ein epochaler Wandel und eine neue Ausdrucksform im Zusammenwirken von Fernsehen und Internet stattgefunden haben. Es fand eine Wechselwirkung statt. Im Web-Auftritt von "Taxi Orange" bildeten sich Communitys, die dieses Ereignis begleitet und wiederum die TV-Sendung beeinflusst haben. Durch diese Interaktivität fand enormer Zuwachs an Realität statt, darin bestand auch die Herausforderung für die Fernsehmacher. Manola hob auch hervor, dass von der Idee bis zur Realisierung dieser bimedialen Produktion nur ein sehr kurzer Zeitraum zur Verfügung stand. Ganz allgemein steht für ihn fest, dass mit der Verknüpfung von Fernsehen und Internet ein erhöhter Durchfluss stattfindet, der seiner Ansicht nach in Zukunft alle Bereiche des Fernsehen beeinflussen werde. Weiters sagte er, dass noch nie ein Medium das andere wirklich verdrängt habe, wohl aber verändert und ergänzt. Abschließend hielt er fest, dass "Taxi Orange" ein Beweis für die Innovationskraft des ORF darstelle.

Prof. Herbert Hrachovec (Universität Wien) gab zu Bedenken, dass Chatrooms generell nicht zu kontrollieren seien, und dass man seiner Ansicht nach im Web-Auftritt von "Taxi Orange" mehr Stimmen hätte zu Wort kommen lassen können. Die Möglichkeiten dafür wären technisch vorhanden gewesen.

Franz Manola (ORF ON/"Taxi Orange" im Internet) stellte fest, dass alle Foren gemonitored, d. h. bereinigt würden und massiv störende Meldungen den üblichen Vereinbarungen der Net-Community entfernt würden. Ansonsten herrsche aber im Netz das denkbar breiteste Spektrum der freien Meinungsäußerung. Die Erfahrung zeige allerdings, dass auch im Netz selbst regulative Mechanismen zum Tragen kommen -dass mitunter Foren-Teilnehmer den Ausschluss anderer fordern, wenn deren Meinungen als zu extrem empfunden werden. Internet sei ein junges, lebendiges Medium, das sich ständig verändere. Aber gerade die Tatsache, dass die Foren Stätten der Auseinandersetzung seien, sei schlussendlich ein äußerst positiver Aspekt des Netzes.

Helmut Mödlhammer (Kurator) meinte, er habe "Taxi Orange" anfangs als oberflächlich und seicht empfunden. Er konzedierte allerdings, dass die Sendung bei jungen Menschen auf äußert positive Resonanz gestoßen sei. Er zeigte sich überzeugt von einer Fortsetzung von "Taxi Orange" und bezeichnete die Sendung als ein geglücktes Experiment. Kritik übte Mödlhammer an der Programmierung von "Taxi Orange" im Hauptabend. Darüber sei jedoch bereits im Kuratorium ausführlich diskutiert worden. Für ihn stehe außer Frage, dass "Taxi Orange" öffentlich-rechtlich verträglich sei und der ORF sich dem internationalen Trend nicht entziehen dürfe. Sein Auftrag bestehe darin, Programm für viele zu machen. Er merkte an, dass Meinungen -unter anderem Ergebnisse dieser Enquete - in die Entwicklung einer eventuellen zweiten Staffel einfließen sollten.

Olaf Arne Jürgenssen (Kinderarzt) zeigte sich überrascht, dass der allgemeine Tenor der Enquete überwiegend positiv ausfiel. Er vermisste in der Diskussion negative Meinungen und Kritiken zum Programm und stellte die Frage, warum bei einer angeblich für das junge Publikum konzipierten Sendung das Durchschnittsalter der Zuseher bei 39 Jahren läge.

GI Gerhard Weis stellte fest, dass sich der ORF die Entscheidung, "Taxi Orange" zu produzieren, wahrlich nicht leicht gemacht habe. Im Rahmen der Enquete wären durchaus auch kritische Anmerkungen gefallen, die in die Gesamtevaluierung einfließen würden. Zum Durchschnittsalter bei den Zuschauern merkte er an, dass gerade bei der älteren Zielgruppe im Verlauf der Sendung ein Zuwachs festgestellt werden konnte. Tatsache sei, dass bei "Taxi Orange" jeder Zuschauer - egal ob jung oder alt - willkommen sei. Es sei richtig, dass der ORF in der Zeit vom 16. September bis 30. November 2000 52 Hauptabende für dieses Reality-Format zur Verfügung gestellte habe, gab aber zu bedenken, dass dadurch keine Sendeminute Information, Kultur, Sport oder andere österreichische Programme verdrängt wurde.

Günter Ziesel (Kurator) gab zu, anfangs heftiger Kritiker von "Taxi Orange" gewesen zu sein, seine Meinung aber durch viele Gespräche mit anderen geändert habe. Im Laufe der vergangenen Monate könne seiner Ansicht nach ein Meinungsumschwung festgestellt werden. Positiv merkte Ziesel an, dass "Taxi Orange" keine Kopie von "Big Brother" sei und tatsächlich als neue Form des Fernsehens gesehen werden könne. Während in Dokumentationen und Reportagen gerade die Widerspiegelung der Realität Schwierigkeiten bereite, wurden bei "Taxi Orange" viele auch Tabuthemen natürlich und selbstverständlich angesprochen. Ziesel meinte, "Taxi Orange" werde in die Fernsehgeschichte eingehen und schlussendlich mehr positive als negative Effekte haben werde. Wenn mehr als eine halbe Million Zuschauer zu Konkurrenzsendern abwandern, müsse der ORF gegensteuern. Ziehe man das Gesamtprogramm des ORF in Betracht, sei "Taxi Orange" mit dem Auftrag des ORF vereinbar.

Positive Bewertung der Enquete durch ORF-Generalintendant Gerhard Weis:

Weis bilanzierte, dass Innovation immer auch Risiko bedeute. Der ORF müsse ein solches Risiko eingehen. Selbstverständlich könne nicht immer alles gleich perfekt gelingen, doch im ORF gäbe es Handwerk und Professionalität und daher könne sich der ORF trauen, Innovationen anzugehen. Weis betonte weiters, dass die Lernbereitschaft des ORF gegeben sei. Diese Enquete sei ein Beweis dafür. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk brauche sein Publikum, ein TV-Programm, das niemand sieht, hätte seinen Zweck verfehlt. Auf die immer wiederkehrende Frage, ob der ORF Sendungen wie "Taxi Orange" überhaupt realisieren dürfe, erwiderte Weis, dass sich der ORF selbstverständlich an Regeln und Standards des Fernsehens orientieren müsse - Mindeststandards müssten eingehalten und Grenzen gesetzt werden. Zur Aufgabe des ORF zähle auch, etwas zu bewegen, zu transportieren und Sinn zu vermitteln. Allerdings funktioniere Zwangsbeglückung schon lange nicht mehr. Der ORF wolle sinnvolle Arbeit leisten, Orientierung vermitteln - dazu brauche es Dialog. Dieser Tag sei von kritischen Auseinandersetzungen auf hohem Niveau geprägt gewesen. Abschließend dankte Generalintendant Weis allen Referenten und Gästen für ihren Beitrag zur "Taxi Orange"-Enquete.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

und Kommunikation
Info-Room
(01) 87878 - DW 13142

ORF-Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GOK/GOK