• 11.01.2001, 15:38:12
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  • OTS0239

"ORF schlug Brücke von alt zu neu"

Wien, (OTS) - Die "Taxi Orange”-Enquete im ORF-Zentrum wurde am
Nachmittag mit zwei Referaten von Philosophie-Professor Herbert
Hrachovec und dem Psychiater und Neurologen Max Friedrich
fortgesetzt. Beide konstatierten in ihren Referaten positive Aspekte
dieses Realitiy-TV-Formats.

Ztl.: Bogen zwischen Fernsehfamilie und Internet

Univ.-Prof. Dr. Herbert Hrachovec, a. o. Professor am Institut für
Philosophie der Universität Wien, sieht den Begriff "Fernsehfamilie”
passender als Bezeichnung für "Taxi Orange” als "Wohngemeinschaft”.
In Zeiten, da im Internet zu jeder Zeit jede Information erhältlich
ist, und es zu jeder Zeit zur Selbstdarstellung zur Verfügung steht,
sieht sich das klassische Fernsehen verstärkt vor Probleme gestellt.
Reality-Formate sieht Hrachovec als Antwort auf dieses Dilemma, auf
einen innovativen Rückgriff auf die Anfänge des Fernsehens
(Fernsehfamilie) in Zeiten des Internets. Dem öffentlich-rechtlichen
ORF sei damit eine Brücke von alt zu neu gelungen. Er habe
Gruppendynamik behutsam dargestellt und ein österreichweit
erfolgreiches Kammerspiel geliefert. Allerdings zeigte er sich
skeptsch, was eine Fortsetzung von "Taxi Orange”betrifft: "Man sollte
aufhören, wenn es am schönsten ist.” Dieser Coup sei nicht
reproduzierbar, eine Fortsetzung würde dieses Programmformat in den
Bereich konventioneller Programmgestaltung führen.

Ztl.: Intimität, Ichfindung und Identifikation

Univ.-Prof. Dr. Max Friedrich, Facharzt für Psychiatrie und
Neurologie sowie für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie, sieht
Jugendliche vor allem auf der Suche nach den drei I” - Intimität,
Ichfindung und Identifikation. Er verwies auf einen jugendlichen
Paradigmenwechsel, immer mehr Kinder fordern Jugendlichen-Status ein
und auch nach oben hin verschiebt sich die Grenze der Jugendlichen.
Bei der Suche nach diesen drei "I’s” versage oft das Elternhaus, eine
Alternative sei eine Fraternisierung mit den Kandidaten im
Kutscherhof, mit der Folge der Idolisierung und Starkult, "denn diese
sind oft leichter erreichbar als die Eltern. Die Menschen im
Kutscherhof lebten öffentlich zusammen, man konnte sich mit ihnen
identifizieren, mit ihnen mitleiden und mitfühlen. Darin liege die
Faszination für Kinder und Jugendliche. Friedrich regte die
Einführung von Coaching-Runden für Eltern an, wo das Geschehen
aufgearbeitet werden könne. Nach einer von ihm durchgeführten
Elternbefragung werde aber "Taxi Orange” als "so harmlos” angesehen,
dass es nach Elternmeinung für Kinder akzeptabel und besser als der
Wechsel zu anderen Kanälen mit nicht kindergerechten Programmen sei.

Rückfragehinweis: ORF-Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Inforoom
Tel.: (01) 87878-13142

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