Ernährung 2: Bereits starkes Übergewicht im Kindesalter

Warnung vor unkontrolliertem Gebrauch von Vitaminpräparaten - Professionelle Ernährungsberatung möglichst ohne Verbote

Wien (OTS) - Eine besondere Tragik: Übergewicht stellt bereits im Kindes- und Jugendalter in allen industrialisierten Staaten ein weit verbreitetes Problem dar. In den USA nahm das Körpergewicht, bereinigt auf die Körpergröße, in den letzten 150 Jahren um durchschnittlich 10 Kilogramm zu. Insgesamt machen die durch Übergewicht bei Kindern verursachten Kosten beispielsweise im deutschen Gesundheitswesen zwischen 6 und 8 Prozent des gesamten Gesundheitsbudgets aus.

Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner fordert daher, daß Übergewichtigkeit verstärkt ins Bewußtsein der Ärzte als Krankheit kommen muß und nicht als selbstverschuldetes Problem angesehen werden darf. Laut Dorner muß die Therapie auf jeden Fall die Lebenssituation berücksichtigen sowie die Familie des Patienten in die Therapie miteinbeziehen. Ziel der Therapie sei eine langfristige Umstellung der Ernährung auf eine energie- und fettreduzierte Kost sowie mehr Bewegung im Alltag.

Daher auch der Aufruf der Ärztekammer an alle Ärztinnen und Ärzte sowie an alle medizinischen Assistenzberufe, die Kinder und Jugendliche betreuen und behandeln, ihr Augenmerk auf die Früherkennung von Übergewicht zu lenken: "Permanente Programme in Kindergärten und Schulen unter Einbeziehung der Schulärzte, Lehrer, Turnlehrer müssen implementiert werden, um jegliche Form von Übergewicht gar nicht erst entstehen zu lassen." Hier seien Präventionsprogramme, beispielsweise für Schulen, unter Einbeziehung aller relevanten Gruppen, zu entwerfen, ohne den Kindern und Jugendlichen dabei aber etwas zu verbieten, fordert Dorner.

Ernährungsprobleme in der täglichen Praxis

Laut Statistik hat sich das Eßverhalten der Österreicher in den letzten Jahren zwar in die richtige Richtung verändert. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sind aber trotzdem laufend mit Problemen, die in das Gebiet "Ernährungsmedizin", teilweise auch im weiteren Sinne "Lebensstilmedizin", gehen, konfrontiert. Das zeigt sich auch in einem zunehmenden Interesse der Patienten an speziellen ernährungstechnischen Fragen, nicht nur in Zusammenhang mit körperlichen Beschwerden oder Erkrankungen, weiß die Wiener Internistin und diplomierte Ernährungsmedizinerin Dr. Gabriele Müller.

"Wir leben in einer Zeit der Supplementierungen", so Müller weiter. In diversen Medien könne man jede Menge Reklame für Vitaminpillen und Tabletten mit Spurenelementen finden. In der Meinung, "etwas Gutes für den Körper zu tun", würden diese oft wahllos eingenommen. Müller: "Gerade hier muß der Arzt als warnender Berater agieren. Nicht immer sind diese Präparate auch wirklich notwendig."

Darüber hinaus sei auch nicht jedes Vitamin- oder mit Spurenelementen versehene Präparat harmlos. Es gelte der für viele Bereiche gültige Satz: "Die Dosis macht das Gift". Überdosierungen seien gar nicht so selten. Außerdem müsse genau auf Interaktionen mit regelmäßig eingenommenen Medikamenten geachtet werden, so Müller.

Ernährungsberatung ohne Verbote

Immer öfter werden Lebensmittel mit natürlich vorkommenden Inhaltsstoffen "ergänzt". So sind in Österreich seit einigen Jahren beispielsweise probiotische Joghurts am Markt, die mit lebenden Bakterien angereichert sind, die sich positiv auf die Darmflora auswirken. Joghurts, Milch oder Mineralwasser wird Kalzium zugeführt, was sich positiv auf die Knochendichte auswirken soll. Auch eine "herzfreundliche" Milch gibt es bereits, die mit ungesättigten Fettsäuren angereichert ist und daher den Cholesterinspiegel günstig beeinflußt.

Ernährungsexperte Widhalm hat dazu eine dezidierte Meinung:
"Lebensmittel, die mit gesunden Inhaltsstoffen angereichert sind, haben zwar einen positiven Effekt auf den Organismus. Eine allgemeine gesunde Ernährung können diese Stoffe aber nicht ersetzen."

Eine gesunde Ernährung und Lebensweise sei nicht allen Menschen geläufig und sollte schon im Kindergarten und in der Schule professionell gelehrt werden, betont Widhalm. Auch den Traditionen und Gewohnheiten müsse Rechnung getragen werden. Widhalm: "Es ist sinnlos, alten Menschen vorzuschreiben, fünf Mal am Tag Obst und Gemüse zu essen, wenn sie in einem Pensionistenheim ein Menü bekommen beziehungsweise ihnen Obst nicht schmeckt." Auch mache es keinen Sinn, Kindern und Jugendlichen Pommes Frites oder ähnliches zu verbieten. Man müsse sie einfach nur gesünder herstellen. Widhalm:
"Eine professionelle Ernährungsberatung soll positiv ausgerichtet sein und möglichst ohne Verbote auskommen." (bb/hpp)

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