• 11.01.2001, 10:30:03
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  • OTS0091

Falsche Ernährung: Ärzte schlagen Alarm

Weltweite Zunahme des Übergewichts - Ärztekammer startet Informationsoffensive

Wien (OTS) - Die Ärztekammer für Wien startet eine
Informationsoffensive in Sachen gesunde Ernährung. Gemeinsam mit
Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, dem Präsidenten der Akademie für
Ernährungsmedizin und Leiter des Bereichs Ernährung,
Fettstoffwechsel, Adipositas an der Universitätsklinik für Kinder-
und Jugendheilkunde in Wien, soll sowohl den Patienten die Bedeutung
der richtigen Ernährung ans Herz gelegt als auch die Ärzteschaft
motiviert werden, in der Patientenbetreuung noch mehr Gewicht auf
Ernährungsberatung zu legen.

Der Stellenwert der Ernährung im Zusammenhang mit Gesundheit und
Krankheit hat sich in den Industrieländern in den letzten 30 Jahren
enorm verändert. Gab es damals in Europa noch eine erhebliche Anzahl
von Krankheiten, die auf einen Mangel von bestimmten Nährstoffen
hinwiesen, so stehen heute Krankheitsbilder im Vordergrund, die auf
eine Überversorgung mit bestimmten Nährstoffen und mit Energie
zurückzuführen sind. So sind Erkrankungen wie Diabetes Typ II und
Übergewicht mit seinen Folgen die Hauptverursacher von Krankheiten
und Todesfällen.

Globaler Trend zur Gewichtszunahme

Die im Dezember 2000 im New England Journal of Medicine
veröffentlichen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
bestätigen den globalen Trend der stetigen Gewichtszunahme. 7 Prozent
der Weltbevölkerung sind demnach fettsüchtig. Bei diesen Personen ist
der sogenannte Body Mass Index (BMI) größer als 30. Weitere 14
Prozent sind übergewichtig - hier liegt der BMI zwischen 25 und 30.

Der Body Mass Index, der sich als Kennziffer für den
Gewichtsstatus im klinischen Bereich zusehends durchgesetzt hat, wird
errechnet, indem das Gewicht in Kilogramm durch die Körpergröße zum
Quadrat dividiert wird. Als normalgewichtig wird ein Wert zwischen 20
und 25 angesehen.

Die Ergebnisse der Behandlung von übergewichtigen Erwachsenen sind
in vielen Fällen nicht optimal. "Die wenigen seriösen Berichte über
Langzeiterfolge bei der Behandlung von übergewichtigen Erwachsenen
zeigen, daß lediglich 5 bis 10 Prozent der behandelten Personen
dauerhaft an Gewicht verlieren", sagte Widhalm. Auch die WHO hätte
sich zu dem Statement entschlossen, daß Übergewicht eine globale
Epidemie des 21. Jahrhunderts darstelle und präventive Maßnahmen
absolut notwendig seien, wenn die Gesundheitssysteme nicht durch die
stetig steigenden Kosten durch Folgeerkrankungen unfinanzierbar
werden sollten.

Herzkrankheiten, Atherosklerose, Diabetes

Die Hauptgesundheitsprobleme, die sich durch das Übergewicht
ergeben und maßgeblich durch die Ernährung beeinflußt werden, sind
Coronare Herzkrankheiten, Atherosklerose (Arterienverkalkung), einige
Krebsarten, Diabetes Typ II, Hypertonie (Bluthochdruck),
Hyperlipidämie (Blutfettspiegelerhöhung) und die
Knochenabbaukrankheit Osteoporose.

Widhalm: "Angesichts der Zahlen über die übergewichtige
Weltbevölkerung und aufgrund der massiven gesundheitlichen Probleme,
die durch falsche Ernährung entstehen können, fordere ich schon seit
langem, die notwendigen Voraussetzungen für die ambulante und
stationäre ernährungsmedizinische Versorgung zu schaffen." Maßnahmen,
um die stetige Zunahme des Übergewichts in allen Altersstufen
einzudämmen, seien einerseits verhaltenstherapeutische Programme und
zum anderen präventive Maßnahmen. Unter präventiven Maßnahmen seien
die Schulung der Ärzte, das Verständnis für die Krankheit, die
Früherkennung der Problematik sowie die permanente Motivation der
Patienten zu einer Ernährungs- und Lebensumstellung zu verstehen.
Widhalm: "Eine entsprechende Qualitätskontrolle muß dann parallel
dazu laufen."

Eine verbesserte Ernährung könnte das Gesundheitsbudget, vor allem
durch Einsparungen bei den Krankenhausaufenthalten, um bis zu 10
Prozent reduzieren. "Die USA beispielsweise ersparen sich durch
gezielte präventive Maßnahmen in etwa 15 bis 20 Milliarden Dollar pro
Jahr", betonte Widhalm. Realisierbar sei diese ernährungsmedizinische
Betreuung der Patienten durch ambulante Beratung und Therapie in
einer Klinik oder durch eigens gebildete Praxisgemeinschaften mit
Allgemeinmedizinern, Internisten, Psychologen und Diätassistenten.
"Nur in Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Berufsgruppen können
wir dem Übergewicht dem Kampf ansagen", gibt sich Widhalm
kampfbereit. (bb/hpp)

(Forts.)

Rückfragehinweis: Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Tel.: (01) 515 01/223 DW, 0664 1014222
Fax: (01) 515 01/289 DW
email: hpp@aekwien.or.at
http://www.aekwien.at

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