Falsche Ernährung: Ärzte schlagen Alarm

Weltweite Zunahme des Übergewichts - Ärztekammer startet Informationsoffensive

Wien (OTS) - Die Ärztekammer für Wien startet eine Informationsoffensive in Sachen gesunde Ernährung. Gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, dem Präsidenten der Akademie für Ernährungsmedizin und Leiter des Bereichs Ernährung, Fettstoffwechsel, Adipositas an der Universitätsklinik für Kinder-und Jugendheilkunde in Wien, soll sowohl den Patienten die Bedeutung der richtigen Ernährung ans Herz gelegt als auch die Ärzteschaft motiviert werden, in der Patientenbetreuung noch mehr Gewicht auf Ernährungsberatung zu legen.

Der Stellenwert der Ernährung im Zusammenhang mit Gesundheit und Krankheit hat sich in den Industrieländern in den letzten 30 Jahren enorm verändert. Gab es damals in Europa noch eine erhebliche Anzahl von Krankheiten, die auf einen Mangel von bestimmten Nährstoffen hinwiesen, so stehen heute Krankheitsbilder im Vordergrund, die auf eine Überversorgung mit bestimmten Nährstoffen und mit Energie zurückzuführen sind. So sind Erkrankungen wie Diabetes Typ II und Übergewicht mit seinen Folgen die Hauptverursacher von Krankheiten und Todesfällen.

Globaler Trend zur Gewichtszunahme

Die im Dezember 2000 im New England Journal of Medicine veröffentlichen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigen den globalen Trend der stetigen Gewichtszunahme. 7 Prozent der Weltbevölkerung sind demnach fettsüchtig. Bei diesen Personen ist der sogenannte Body Mass Index (BMI) größer als 30. Weitere 14 Prozent sind übergewichtig - hier liegt der BMI zwischen 25 und 30.

Der Body Mass Index, der sich als Kennziffer für den Gewichtsstatus im klinischen Bereich zusehends durchgesetzt hat, wird errechnet, indem das Gewicht in Kilogramm durch die Körpergröße zum Quadrat dividiert wird. Als normalgewichtig wird ein Wert zwischen 20 und 25 angesehen.

Die Ergebnisse der Behandlung von übergewichtigen Erwachsenen sind in vielen Fällen nicht optimal. "Die wenigen seriösen Berichte über Langzeiterfolge bei der Behandlung von übergewichtigen Erwachsenen zeigen, daß lediglich 5 bis 10 Prozent der behandelten Personen dauerhaft an Gewicht verlieren", sagte Widhalm. Auch die WHO hätte sich zu dem Statement entschlossen, daß Übergewicht eine globale Epidemie des 21. Jahrhunderts darstelle und präventive Maßnahmen absolut notwendig seien, wenn die Gesundheitssysteme nicht durch die stetig steigenden Kosten durch Folgeerkrankungen unfinanzierbar werden sollten.

Herzkrankheiten, Atherosklerose, Diabetes

Die Hauptgesundheitsprobleme, die sich durch das Übergewicht ergeben und maßgeblich durch die Ernährung beeinflußt werden, sind Coronare Herzkrankheiten, Atherosklerose (Arterienverkalkung), einige Krebsarten, Diabetes Typ II, Hypertonie (Bluthochdruck), Hyperlipidämie (Blutfettspiegelerhöhung) und die Knochenabbaukrankheit Osteoporose.

Widhalm: "Angesichts der Zahlen über die übergewichtige Weltbevölkerung und aufgrund der massiven gesundheitlichen Probleme, die durch falsche Ernährung entstehen können, fordere ich schon seit langem, die notwendigen Voraussetzungen für die ambulante und stationäre ernährungsmedizinische Versorgung zu schaffen." Maßnahmen, um die stetige Zunahme des Übergewichts in allen Altersstufen einzudämmen, seien einerseits verhaltenstherapeutische Programme und zum anderen präventive Maßnahmen. Unter präventiven Maßnahmen seien die Schulung der Ärzte, das Verständnis für die Krankheit, die Früherkennung der Problematik sowie die permanente Motivation der Patienten zu einer Ernährungs- und Lebensumstellung zu verstehen. Widhalm: "Eine entsprechende Qualitätskontrolle muß dann parallel dazu laufen."

Eine verbesserte Ernährung könnte das Gesundheitsbudget, vor allem durch Einsparungen bei den Krankenhausaufenthalten, um bis zu 10 Prozent reduzieren. "Die USA beispielsweise ersparen sich durch gezielte präventive Maßnahmen in etwa 15 bis 20 Milliarden Dollar pro Jahr", betonte Widhalm. Realisierbar sei diese ernährungsmedizinische Betreuung der Patienten durch ambulante Beratung und Therapie in einer Klinik oder durch eigens gebildete Praxisgemeinschaften mit Allgemeinmedizinern, Internisten, Psychologen und Diätassistenten. "Nur in Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Berufsgruppen können wir dem Übergewicht dem Kampf ansagen", gibt sich Widhalm kampfbereit. (bb/hpp)

(Forts.)

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