DER STANDARD Kommentar am 11.01.2001 - "Erfolg trotz Tempo" Von Peter Mayr

Wien (OTS) - Beinahe ist es so weit: Die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter ist am Laufen, jene der Arisierungsopfer kurz vor der Erledigung. Bleibt es bei der gegenwärtigen Vereinbarung, dann wird Österreich 360 Millionen Dollar (mehr als fünf Milliarden Schilling) an die Arisierungsopfer zahlen. Das ist nicht nur in Zeiten des Sparens eine hohe Summe - und doch kommt Österreich damit billig davon. Die fünf Milliarden Schilling sind nur ein geringer Teil des den Juden geraubten Vermögens. Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs, beziffert etwa den Schaden mit rund 200 Milliarden Schilling.

Kaum zu glauben, dass eine Regierung, die bei anderen Materien -wie etwa beim Kindergeld - nur langsam weiterkommt, die doch recht komplexe Materie der NS-Entschädigungszahlungen innerhalb eines Jahres lösen kann. Den raschen Erfolg verdankt die Regierung einerseits der Personalauswahl von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Mit Maria Schaumayer als Beauftragter für die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter und mit Sonderbotschafter Ernst Sucharipa hat er eine glückliche Hand bewiesen. Der Erfolg beruht aber auch darauf, den richtigen Zeitpunkt erwischt zu haben. Die Opfervertreter zeigten sich sachlich - bis auf wenige Ausnahmen. Das hohe Alter all jener, die die Entschädigung noch erleben sollen, brachte zusätzliches Tempo. Dass Verhandler Stuart Eizenstat noch vor dem Machtwechsel in den USA am 20. Jänner ein Ergebnis erzielen will, kommt ebenso recht.

Schließlich haben die Demonstrationen im Inland, scharfe Proteste des Auslands und die EU-Sanktionen die Koalition zum Handeln gezwungen. Und sie hat richtig reagiert. So ist ausgerechnet eine Partei, der man ein problematisches Verhältnis zur Vergangenheit vorwirft, für die Lösung einer höchst sensiblen Problematik mitverantwortlich.

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