Kommentar 11.1.2001 - Die Entstaatlichung des Ladenschlusses von Jens Tschebull

Wien (OTS) - Von der BSE-Vorbeugung bis zur Sanierung des Staatshaushaltes gibt es massenhaft wichtige Aufgaben für den Staat. Gleichzeitig werden aber überflüssige Restbestände des alten Jahres, der alten Regierungen und des alten Gewerberechtes mitgeschleppt, statt sie über Bord zu werfen und endgültig zu vergessen. Ein lästiges Relikt dieser Art ist die gesetzliche Regelung der Ladenöffnungszeiten im Einzelhandel. Sie ist ein Hort wirtschaftsfremder Scheinaktivitäten von Politikern, Zunftmeistern und Bürokraten, die im dritten Jahrtausend wahrlich Wichtigeres zu tun hätten als sich fremder Leute Köpfe, nämlich die Köpfe der Unternehmer, zu zerbrechen, wann, wie, warum und wie lange diese ihre Betriebsstätten offen halten sollen. Gesetze über den Ladenschluss sind ebenso lächerlich wie es staatliche Vorschriften darüber wären, wann, wie oft und wie lange die Untertanen essen, fernsehen oder der Liebe pflegen dürfen: Es geht den Staat nichts an, ausserdem hat er wahrlich Wichtigeres zu tun. Wer erinnert sich noch an das Weltuntergangstheater, das von Zunftmeistern, Kommentatoren und Gewerkschaftern inszeniert wurde, als es um die Einkaufsfreiheit an Samstagen ging? Heute ist der Einkaufssamstag eine selbstverständliche Annehmlichkeit, die je nach Bedarf und Gewinnaussicht genützt oder nicht genützt wird. Sie hat zusätzliche Arbeitsplätze gebracht, ermöglicht die bessere Auslastung von Investitionsgütern (Geschäftseinrichtungen) und erleichtert das Leben. Im Übrigen unterliegen z. B. Dienstleistungsunternehmen von den Kfz-Werkstätten bis zu den Friseuren nicht den Ladenöffnungszeiten des Einzelhandels, dennoch ist bei den Dienstleistern nicht das Chaos ausgebrochen. Die vollkommene Freigabe der Ladenöffnungszeiten - unter Wahrung des Sonntagstabus, also das Modell Bartenstein - ist ein Gebot des neuen Jahrtausends; aber ohne Unterscheidung zwischen Gross- und Kleinbetrieben, Einkaufszentren und Innenstadtgeschäften oder ähnlichem bürokratischen Firlefanz. Gesetzlich geregelter Ladenschluss ist Restmüll aus dem vergangenen Jahrtausend. Er ist nicht recyclingfähig und gehört ein für allemal im Kuriositätenkabinett eines Bürokratiemuseums deponiert. (Schluss) JT

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