- ORF-Generalintendant Gerhard Weis im NEWS-Interview:

- Zur Zukunft des ORF: "Der ORF gehört nicht den Parteien - er gehört entparteipolitisiert!" - Zu der von FPÖ-Klubobmann Westenthaler vorgeschlagenen Privatisierung eines ORF-Programms: "Das wäre keine Privatisierung, sondern eine eigene Enteignung, keine Herstellung von Konkurrenz, sondern Medienimperialismus" - Zur der von der Bundesregierung angekündigten Zulassung privater österreichischer TV-Programme: "Dagegen habe ich überhaupt nichts, davor haben wir keine Angst" - Zu seiner persönlichen Zukunft: "Wenn in einer Nacht- und Nebel-Aktion Rahmenbedingungen beschlossen werden, welche die Erfüllung dieser Aufgabe unmöglich machen, dann hätte es auch keinen Sinn mehr, hier zu arbeiten." Vorausmeldung zu NEWS 2/01 v. 11.01.2001

Wien (OTS) - In einem in der morgen erscheinenden Ausgabe von NEWS nimmt ORF-Generalintendant Gerhard Weis anläßlich der jüngsten Vorgänge in Prag und anläßlich diverser medienpolitischer Vorstöße der Bundesregierung ausführlich zur Zukunft des ORF Stellung.

Gerhard Weis zu den Prager Demonstrationen für einen parteiunabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk: "Das erinnert mich sehr an die an die Anfänge des Rundfunk-Volksbegehrens im Jahr 1964. Damals war ja auch die Rede davon, der Rundfunk dürfe nicht den Parteien gehören, sondern dem Volk. Jetzt spüre ich in Prag den Geist dieses Rundfunk-Volksbegehrens." Der ORF-Generalintendant zur jüngsten Schlagzeile der "Kronen-Zeitung" ("Der ORF gehört in Bürgerhand!"). "Auch das kommt mir bekannt vor, ich fordere das seit Jahrzehnten: Der ORF gehört nicht den Parteien, er gehört den Bürgern, er gehört ganz Österreich. Der ORF gehört entparteipolitisiert. Denn Politiker, die im Kuratorium des ORF wie Eigentümer agieren, können gar nicht anders als auch dabei ihrer Hauptprofession nachzugehen, nämlich dafür zu sorgen, dass ihre Partei in der ORF-Berichterstattung gut wegkommt. Seit 30 Jahren wird dieses Problem angesprochen, seit 30 Jahren wollen alle Politiker dieses Problem angeblich oder tatsächlich lösen."

Weis zu seiner persönlichen Zukunft: "Ich trete so wie immer schon nun auch in meiner jetzigen Funktion dafür ein, den ORF als Unternehmen führen zu können und nicht als Politbetrieb, so wie meine Amtsvorgänger auch schon. Ich bin angetreten, um die Unabhängigkeit des Unternehmens zu verteidigen und ein Produkt zu erzeugen, das von der Bevölkerung angenommen wird, von der ganzen Bevölkerung, nicht nur von Teilen davon. So lange das möglich ist, werde ich mich dieser Aufgabe mit großer Energie und Begeisterung widmen. Wenn in einer Nacht- und Nebel-Aktion Rahmenbedingungen beschlossen werden, welche die Erfüllung dieser Aufgabe unmöglich machen, dann hätte es auch keinen Sinn mehr, hier zu arbeiten.

Weis zum Vorschlag von FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler, der ORF solle eines seiner zwei Programme privaten Nutzern überlassen: "Das wäre keine Privatisierung, das wäre Enteignung. Das wäre keine bloße Zulassung von Privatfernsehen, das sich neben und gegen uns einen Marktanteil erobern muss, wogegen das ich überhaupt nichts habe; sondern das würde bedeuten, dass wir gezwungenermaßen einen Markt räumen müssen, damit andere in diese Lücke stoßen können. Das wäre keine Schaffung von Konkurrenz, das wäre Medienimperialismus. Ich bin diesbezüglich optimistisch. Die meisten österreichischen Politiker scheinen zu sehen, dass Sie von neuen Privatsendern auf Basis eines zerschlagenen ORF sicher nicht das bekommen, was sie eigentlich benötigen sollten, nämlich eine informierte Gesellschaft.

Weis zum Plan der Regierung, noch heuer gesamtösterreichisches Privat-TV zu ermöglichen: "Dagegen habe ich überhaupt nichts. Wir sagen bereits seit einem Jahr, na gut, soll es eben Privatfernsehen geben, wir haben davor keine Angst. Der ORF hält in Österreich 50 Prozent Marktanteil, die weiteren 50 Prozent teilen sich die 33 aus Deutschland kommenden Privatstationen und einige wenige, die jetzt schon im Land produziert werden."

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