"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Bühne Italien" (von Monika Dajc)

Ausgabe vom 10. 1. 2001

Innsbruck (OTS) - Große Oper wird im Verdi-Jahr wohl nur einen
Teil italienischer Aufmerksamkeit beanspruchen können. Spätestens im Frühsommer muss ein neues Parlament gewählt werden. Bereits seit Wochen strebt das mediale Szenario der Spitzenkandidaten u nter dem Titel "Der Reiche gegen den Schönen" von einem Höhepunkt zum anderen. Francesco Rutelli gegen Silvio Berlusconi - zwei schillernde Figuren, ganz nach dem Geschmack des Publikums.

"Er hat mehr Haare als ich, er ist schöner als ich - doch ich werde gewinnen", ist sich Berlusconi, Chef des Mitte-rechts-Lagers, sicher. Und seine Anhänger zollen Beifall. Nur der Medienzar könne Italien das geben, was es wirklich brauche. Laufende Proz esse vermögen die Optik nicht zu trüben. Vergessen ist, wie kläglich Berlusconis erste Amtszeit als Regierungschef nach wenigen Monaten scheiterte. Und noch kein Thema ist es, dass der Cavaliere durch den Koalitionspartner Alleanza Nazionale in europäisch e Bedrängnis kommen könnte.

Rutelli wurde mit dem Bonus des römischen Heilig-Jahr-Bürgermeisters zur neuen Lichtgestalt des Mitte-links-Lagers. Er schlug dereinst als Grüner in der Politik erste Wurzeln. In Ehren ergraut, aber eben "immer noch schön", empfiehlt er sich nun als erst e Wahl für ein ganzes Bündel unterschiedlicher Interessen. Während einer mehrwöchigen Zugreise will er italienische Sorgen und Missstände auf direkte Weise erkunden. Die Politik des wundersamen Stiefellandes, das so gerne ernst genommen werden möchte, ers cheint auf neue Weise als Bühne für Bizarres.

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