"Neue Zeit" Kommentar: "Neustart?" (von Litsa Kalaitzis)

Ausgabe vom 10. 1. 2001

Graz (OTS) - Veranstaltungen der Sozialdemokraten, bei denen ein hochrangiger Kirchenvertreter als einer der Hauptreferenten auftritt, ist man nicht gewohnt. Um die dialogfähige Demokratie, die Weltoffenheit und die Toleranz, denen die SPÖ-Neujahrskonferenz unter anderem gewidmet war, nicht zu Schlagworten verkommen zu lassen, lud man neben einem Zeitungsherausgeber und einer Historikerin auch den Wiener Caritasdirektor ein.

Michael Landau erklärte behutsam, was die Kirche und die Sozialdemokratie seiner Meinung nach verbindet. Beide sind angesichts der immer größer werdenden Nöte und Sorgen der Menschen angesprochen. In den Programmen politischer Parteien, auch der Sozialdemokratie, finde sich viel Schönes, lobte der Kirchenmann, ersparte seinen Gastgebern aber auch die Kritik nicht: "Passt die praktische Umsetzung zu den vielversprechenden Worten der Sozialdemokratie? Denken Sie an die Politik der Sparpakete in den 90-er-Jahren, in denen etwa auch mit Ihren Stimmen die Geburtenbeihilfe für alle Frauen undifferenziert gestrichen worden ist."

Es spricht für den Oppositionswillen der SPÖ, dass sich Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl auch für diese "unbequemen Worte" herzlich bedankte und dass Parteichef Alfred Gusenbauer versprach, man werde aus den Fehlern lernen. Vielleicht war die Neujahrskonferenz der Auftakt zum versprochenen "Neust@rt", auf den man bis jetzt vergeblich gewartet hat. Nicht nur die SPÖ würde ihn dringender denn je brauchen.

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