"Neue Käntner Tageszeitung" Kommentar: Die Tat ist stumm

Ausgabe vom 6.1.2001

Ob wir es mit Goethe halten ("Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn") oder mit Schiller sprechen ("Das Wort ist frei, die Tat ist stumm"): Die hohe Literatur trifft die rot-weiß-rote Politik da, wo sie ihren lauten Ankündigungen hinterherhumpelt. Exakt dort, wo man die "veraltete" Regierung mit wortreichen Parolen an den Pranger stellte, sind die Parolen der "neuen" Regierung Worte geblieben.

Ankündigungen stolpern über Unfinanzierbarkeiten (Kindergeld), Vorhabensprogramme zerschellen an der eigenen Lähmung (Änderung der Politikerbezüge) oder kapitulieren am Unvermögen, Konflikte auszustehen (Wirtschaftspolitik): Auch die neue Art des Regierens braucht Zeit. Zeit, jenen Vorsprung aufzuholen, die sie im Übermut ihres Siegesjubels ihren Versprechungen gegeben hat.

Peinlich wird es dann, wenn man von Erfolgen erzählt, die nicht zu finden sind. Wenn die Statistik einen kräftigen Beamtenzuwachs belegt, ist ergo das Erstaunen groß. Immerhin trat die blau-schwarze Regierung an, den apostrophierten "Privilegienrittern" die Flügel zu stutzen und dem "Grillparzer-Staat" ein Ende zu setzen. Jedoch:
Schwarz auf weiß steht festgeschrieben - 10.000 Beamte mehr tummeln sich seit Antritt der Regierung im Staate Österreich. Die Reaktion von Riess-Passer war vorhersehbar: Die Zahl wird geleugnet, die Meldung dementiert.

Was Österreich im Jahr 2000 dazugelernt hat, ist offensichtlich: Das Jonglieren mit Zahlen. Ein Pingpong der politischen Art.

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