"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Kassen kommen zum Handkuss

Ausgabe vom 5.1.2001

Rund 50.000 kinderlose Frauen werden künftig blechen. Sie müssen als bisher kostenlos Mitversicherte einen Krankenkassen-Obolus leisten. Bei 30.000 Schilling brutto macht der Beitrag 1020 Schilling monatlich aus. Zahlen wird wahrscheinlich der arbeitende Partner. Dass sich mit dieser Art von Abhängigkeit in zerrütteten Ehen Tragödien abspielen, liegt auf der Hand. Abgesehen davon: Hier handelt es sich um eine Politik, die Frauen bestraft, die noch nie im Wochenbett lagen oder nicht gebärfähig waren oder sind.

Diese Frauen werden zur, aber nicht für die Kasse zur Kasse gebeten. Denn 850 Millionen Schilling, die als Erlös erwartet werden, fließen nicht in die Taschen der Versicherungsträger, sondern in den leeren Säckel des Finanzministers, der damit Budgetlöcher stopfen will. Wenn das Geld wenigstens den aus dem letzten Loch pfeifenden Sozialversicherungen zugute käme!

Alle Sparappelle der Kassen, auch jene an Patienten, fruchten wenig. Das Horten von Medikamenten ist ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Die Angst der Österreicher, die geliebte Pille im Nachtkastl könnte ausgehen, treibt seltsame Blüten. Vielleicht wäre es sinnvoll, das Kostenbewusstsein zu heben, indem die Kassen ihren Versicherten jährlich mitteilen, wie viel sie tatsächlich für sie ausgeben. Etliche glauben nämlich noch immer, dass die Rezeptgebühr identisch mit dem Medikamentenpreis ist. Freilich, es muss auch die Frage erlaubt sein, warum Heilmittel im benachbarten Ausland um gut ein Drittel billiger sind als bei uns? Wäre man bösartig, müsste man von mafiosen Methoden sprechen.

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