Weinmarkt erfordert von Winzern strategische Neuaus-richtung 2

Interprofessionelle Komitees ) Umstellungsförderung K Strukturwandel

Wien, 4. Jänner 2001 (AIZ). r Die erforderliche strategische Neuausrichtung der österreichischen Weinwirtschaft B marktgerechte Umstellung auf mehr Rotweinerzeugung und einfachere Marketingbotschaft durch vereinfachte Bezeichnungen a soll, so gestern Weinmarkting-Chef Bertold Salomon und Weinbauverbandspräsident Josef Pleil, vor allem mit zwei Instrumenten erreicht werden: Der Einrichtung interprofessioneller Komitees, in denen die Branche selbst ihre Marktpositionierung bestimmen kann, und einer von der EU geförderten Umstellung im Weinbau auf mehr Rotweinflächen sowie der Kulturtechnik, um die Kontinuität von Ertrag und Qualität verbessern zu können. Ziel ist eine marktgerechte Produktion, weitgehende unternehmerische Selbstbestimmung im Weinbau sowie ein Ineinandergreifen aller vier für ein erfolgreiches Marketing notwendigen PTs, nämlich Produkt, Preis, Platzierung (Distribution) und Promotion. ****

Die EU habe mit der neuen, auch maßgeblich auf österreichischen Einfluss hin im August 2000 in Kraft getretenen Weinmarktordnung
die Weichen gestellt. Die EU fährt ihre frühere Marktintervention in Form der Versprittung von jährlich 20 Mio. hl Wein zu Industriealkohol mit der Agenda 2000 drastisch zurück und steckt das Geld nun in eine fünfjährige Umstellungsaktion, mit der die Produktion besser dem Markt angepasst werden soll. Österreich erhält davon einen Anteil von ATS 80 Mio. Gemeinschaftsmitteln jährlich. Gleichzeitig wir die aktive Beteiligung der Weinwirtschaft in interprofessionelle Komitees nach dem Vorbild der in den romanischen Weinbauländern gut funktionieren regionalen Regelungskörperschaften in Selbstverwaltung gefördert.

Interprofessionelle Komitees koordinieren Wünsche der Branche und bereiten Gesetze vor

Aufgabe der in Gründung befindlichen interprofessionellen Komitees in der Weinwirtschaft ü ein bundesweites und bis zu 16 regionale für die einzelnen Weinbaugebiete 0 ist es laut Pleil, "Qualität, Image und Markt so zu regulieren, dass Produktion, Qualität und Markt in einem perfekten Verhältnis zueinander stehen. Dabei sollen die Ideen von unten nach oben wachsen und nicht Lösungen von oben aufgesetzt werden. Von oben soll nur die Unterstützung bei der Umsetzung kommen". Die Komitees haben etwa das Recht t jeweils auf dem Boden des geltenden Weingesetzes beziehungsweise der Weinbaugesetze A für ein Gebiet regionaltypische Qualitätsweine zu definieren und zu entwickeln. Die Qualitätsauflagen müssen mindestens dem geltenden Gesetz genügen, können aber strenger sein. Die Komitees sind auch aufgerufen, die Voraussetzungen für die Förderbarkeit von Umstellungsmaßnahmen zu diskutieren. Die Wünsche der regionalen Komitees nach Änderungen der gesetzlichen Grundlagen zur Umsetzung ihrer Vorstellungen sollen vom bundesweiten Gremium als Korrektiv koordiniert werden. Dieses berät dann den Landwirtschaftsminister, dessen Ressort sich den Vollzug der Weinmarktordnung vorbehalten hat, und bereitet die notwendigen Änderungen der Gesetze vor. Pleil hofft, dass sich durch die breite Streuung der Zusammensetzung der Komitees in fachliche Aspekte gegen parteipolitische Interessen durchsetzen werden und der Gesetzgeber den Empfehlungen der Komitees folgen werde.

Das nationale Komitee wird aus 20 für fünf Jahre bestellten und ehrenamtlich tätigen Personen bestehen, wovon je zehn von der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Nominierte aus der Produktion (davon zwei aus dem Genossenschaftsbereich) und zehn von der Wirtschaftskammer Österreich Nominierte aus dem Weinhandel (davon zwei aus der Sektbranche) kommen. Die regionalen Komitees umfassen mindestens jeweils fünf Personen plus eine nach der Rebfläche des Weinbaugebiets bestimmte Zahl bis zu insgesamt maximal 21 Mitglieder. Derzeit arbeiten Proponentenkomitees an einer Erhebung des Ist-Zustandes von Produktion und Vermarktung. Im Februar soll das Agrarressort die Verordnung zur Gründung der Komitees erlassen und die Nominierung der Mitglieder aus den Regionen erfolgen. Ab Herbst sollen sie voll arbeiten, heuer sind noch erste PR-Aktivitäten für die einzelnen Weinbaugebiete geplant. Die Weinmarktingegesellschaft ÖWM wird nach den Worten Salomons eng mit den Komitees zusammenarbeiten und erhofft sich davon die Chance eines Feedbacks und der Schaffung eines neuen Bewusstseins der Branche. Schon in der dritten Jänner-Woche nimmt die ÖWM Gespräche mit den Proponenten aller Komitees auf, um die bisher schon von der ÖWM mit einem Teil ihres Budgets getätigte Werbung für die einzelnen Gebiete im Inland und in Deutschland abzustimmen.

Geförderte Umstellung auf Rotwein und effizientere Kulturtechnik

Mit der Umstellungsförderung der EU peilt Österreich auf Ziele an:
Den Anteil der Rotweinfläche von derzeit rund 13.000 ha oder einem Viertel auf marktgerechtere Ausmaße zu steigern (Österreich konsumiert Rotwein von einem Flächenäquivalent von 20.000 bis 22.000 ha) und damit die Übermengen an Weißwein einzuschränken und eine bessere Kulturtechnik zu etablieren. Schließlich will man auch die Verlegung der Weingartenanlagen in bessere, zum Beispiel weniger von Frost gefährdete Rieden erreichen.

Die Förderungen aus Brüssel decken etwa 25 bis 50 % der tatsächlichen Investitionen der Winzer ab, der Fördersatz richtet sich danach, ob nur Einzelflächen oder Gemeinschaftsprojekte mit Kommassierungen damit erfasst werden oder auch wertvolle Wein-bauflächen in Berg- (mit mehr als 25 % Hangneigung) oder Terrassenlagen, wofür es das Doppelte gibt. Pleil bezifferte die Kosten für 1 ha Neuauspflanzung in Normallagen, etwa für die Umstellung von Grünem Veltliner auf Zweigelt, mit rund ATS 220.000,-. Die Neuanlage einer gemauerten Terrasse wie in der Wachau oder die Quertrassierung bisher vertikal ausgerichteter Weinstockzeilen in der Südsteiermark, um diese Extremflächen besser maschinell bewirtschaften zu können, kommt der Win-zer dagegen auf bis zu ATS 700.000,- pro ha.

Förderbar sind weiters Investitionen in eine marktgerechtere Kulturführung. Die Struktur zahlreicher gemischter Weinbau- und Ackerbaubetriebe ließ in den letzten Jahren den Reihenabstand in den Weingärten auf bis zu 3,5 m und den Stockabstand auf bis zu 1,2 m anwachsen. Der Grund dafür ist, dass die Landwirte die aus dem Ak-kerbau vorhandenen größeren Maschinen wie Traktoren auch im Weinbau nutzen wollten. Durch dieses lockere Aussetzen sank die Zahl der Weinstöcke in den heimischen Rieden auf etwa 2.500 pro ha. Die Folge, so Pleil: "Der einzelne Weinstock muss zu viel leisten", die Reife der Pflanzen lasse daher zu wünschen übrig und es komme zu starken Schwankungen bei Qualität und Ertrag. Um die Belastung der Weinstöcke beim Hervorbringen der Trauben besser verteilen und damit mehr Kontinuität in Qualität und Ertrag erzielen zu können, strebt man nun in geförderten Neuauspflanzungen eine Stockdichte von bis zu 4.000 Pflanzen pro ha an. Das bedeutet in der Praxis Reihenabstände von weniger als 3 m und Stockabstände von unter 1 m. Gleichzeitig soll das mit der Hochkultur ständig zugenommene Höhenwachstum der Weinstöcke wiederum auf 80 bis 90 cm Stammhöhe zurückgefahren werden.

Mit dem zur Verfügung stehenden Geld von jährlich ATS 80 Mio. und angesichts der Begrenztheit des zur Verfügung stehenden Rebmaterials erwartet Pleil, pro Jahr rund 1.000 ha auf Rotwein umstellen zu können, womit eine Rotweinfläche von 18.000 ha machbar erscheint. In Summe verspricht er sich nach den fünf Jahren Laufzeit "langfri-stige Verbesserungen", weil dazu ja noch die routinemäßige Neuauspflanzung von in die Jahre gekommenen Kulturen komme.

Die Weinmarktordnung der EU sieht schließlich auch vor, dass Aussetzrechte für Wein nach einer (ungeförderten) Rodung noch acht Jahre im Besitz des Winzers bleiben und erst danach der so genannten nationalen Reserve an Auspflanzrechten einverleibt werden, um dann etwa an wachstumswillige Jungwinzer neu verteilt werden zu können.

Pleil sieht Strukturwandel in Weinbau

Pleil sieht auf den österreichischen Weinbau einen Strukturwandel zukommen. Rund 70 % der fast 40.000 heimischen Weinbauern sind schon zurzeit nur nebenberuflich oder als Hobby in Weingarten und Keller tätig. Nur etwa 6.000 der fast 40.000 Winzer etwa haben 1999 für eine staatliche Prüfnummer zur Anerkennung ihres Weines als Qualitätswein angesucht. Kellereitechnik ist allerdings sehr teuer, egal ob für einen Kleinstbetrieb oder einen größeren, weil die hochspezialisierte Technologie und nicht die Größe der Geräte den Ausschlag für die Kalkulation gibt.

Deshalb sind die zahlreichen kleineren Selbstvermarkter von Wein international ! sowohl durch den Importdruck durch kostengünstige in großen Einheiten erzeugte Durchschnittsqualität als auch beim Export im Vergleich des Preis-/Leistungsverhältnisses : bei ihrer Kostengestaltung unter Zugzwang. Das heißt, so Pleil, Direktvermarkter müssten von derzeitigen Größeneinheiten von 8 bis 10 ha Weingarten auf 15 bis 20 ha wachsen können, um die notwendige Rationalsierung und Kostensenkung erreichen zu können. "Ein Direktvermarkter wird Produktionseinheiten von 50.000 bis 100.000 Flaschen Wein anstreben müssen, um die Kosten zu schaffen. Wer kleiner bleibt, muss im Verkauf viel teurer werden können." (Schluss) pos

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