Weinmarkt erfordert von Winzern strategische Neuausrichtung 1

Erfolge im Inland und Export - Handlungsbedarf durch steigenden Rotweinkonsum

Wien, 4. Jänner 2001 (AIZ). - Österreichischer Wein behauptet sich zwar mit einem Inlandsmarktanteil von "soliden" 81 % am Heimkonsum (1. Halbjahr 2000, nach 76 % 1999, Daten: Fessel-GfK) und 57,2 % im Lebensmittelhandel (3. Quartal 2000, nach 57,3 % 3. Quartal 1999, Daten: Nielsen) stabil und erzielt auch im Export Erfolge. Das 1994 für den EU-Beitritt formulierte Ziel, die Weinausfuhren binnen zehn Jahren zu verdoppeln, wurde 2000 schon in der halben Zeit erreicht, indem der Export von Qualitäts- und Prädikatswein im Vorjahr gegenüber 1995 um mehr als das Doppelte auf wertmäßig ATS 228,634 Mio. und mengenmäßig auf 113.611 hl zugelegt hat. Dennoch kommen auf die heimische Weinwirtschaft schwerwiegende strategische Entscheidungen zu, weil die heimischen Weingenießer immer mehr zum Roten greifen, diese Nachfrage aber aus dem traditionellen Weißweinland Österreich nicht befriedigt werden kann und der Mehrkonsum deshalb ausländischen Rotweinlieferanten zugute kommt, während sich im Inland struktureller Überschuss an Weißwein in den Kellern anbahnt. Dies teilten gestern bei einem Pressegespräch der Österreichischen Weinmarketingservicegesellschaft, ÖWM, deren Geschäftsführer, Bertold Salomon, und der Präsident des Bundesweinbauverbandes, Josef Pleil, in Wien mit. ****

"Die Winzer müssen produzieren, was am Markt gefragt ist", lautet die Botschaft Pleils. Auch Marketing-Profi Salomon sieht nicht nur die Promotion gefordert, sondern auch die Produktion, fordert aber auch eine leichter kommunizierbare Botschaft von österreichischem Wein durch eine Vereinfachung der Bezeichnungen: "Wir machen es uns nicht leicht, weil wir bei den Bezeichnungen am Etikett so ellenlang kompliziert sind. Österreichischer Wein würde sich im ausländischen Lebensmittelhandel viel schneller drehen, wenn die Bezeichnungen einfacher wären." Abhilfe kann die Weinwirtschaft selber schaffen:
Interprofessionelle Komitees auf nationaler Ebene der Weingebiete sollen strategische Marketingentscheidungen bis hin zur Definition regionaler Qualitätsbotschaften selbst in die Hand nehmen können. Denn: "Jeder Winzer ist Unternehmer, er muss selbst entscheiden, nicht die Politik für ihn", so Pleil. Und: In der neuen EU-Weinmarktordnung stehen dem österreichischen Weinbau aus Brüsseler Mitteln jährlich ATS 80 Mio. zur Verfügung, mit denen in den kommenden fünf Jahren unter anderem die Umstellung der heimischen Rebflächen auf ein marktgerechtes Angebot von mehr Rotwein im Umfang von 25 bis 50 % der tatsächlichen Investitionen gefördert werden kann.

Statistiken zeigen Handlungsbedarf

Dass für die heimischen Winzer in den kommenden Jahren Handlungsbedarf besteht, zeigen, so Salomon, die Statistiken: Gut die Hälfte des heimischen Weinkonsums findet zuhause statt, etwas weniger trinken die Österreicherinnen und Österreicher in der Gastronomie oder beim Heurigen. Bei dem im Lebensmittelhandel gekauften Wein, wo die heimischen Winzer über alles einen Marktanteil von 57,32 % halten, zeigt sich aber ein differenziertes Bild. Beim Weißen konnten die Österreicher 71 % Marktanteil verteidigen, beim Roten haben sie aber nur 42 %, der Rest kommt jeweils aus dem Ausland. Dazu kommt als zweiter Aspekt eine stete Veränderung der Konsumgewohnheiten. Laut GfK ist nämlich der Anteil von Rotwein beim Verbrauch zuhause seit 1993 von 34 % auf 44 % gestiegen, konnte aber nicht vom kleinen heimischen Rotweinangebot befriedigt werden. "Diese 10 % Zuwachs beim Rotweinverbrauch kommen primär den Ausländern zugute, während österreichischer Wein damit rund 10 % Marktanteil verloren hat", zeigt Salomon das Problem auf.

75 bis 78 % der derzeit unter Ertrag stehenden 50.000 ha heimischen Rebfläche (gesamtes Weingartenpotenzial 52.000 ha nach rund 63.000 ha vor dem EU-Beitritt) sind mit Weißweinreben bepflanzt, so Pleil. Rund 13.000 ha Rotweinfläche steht aber eine Inlandsnachfrage nach Rotwein von 20.000 bis 22.000 ha gegenüber. Mit dem Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage und den starken Ernten 1998 und 1999 nach den fast leeren Lagern im Jahr 1997 beginnen sich nun strukturelle Weißweinüberschüsse anzuhäufen, die auf den Preis drücken: Im Sog des europaweit gesunkenen Preisverfalls bei Weißwein notiert weißer Fasswein aus Österreich derzeit nur bei ATS 4,- bis ATS 6,- pro l, für Spezialitäten sind bis zu ATS 8,- erreichbar. Rotwein im Fass erzielt dagegen ATS 15,- bis sogar ATS 20,- pro l. Der Mengendruck macht sich auch in der Exportstruktur bemerkbar: 1999 verzeichnete die ÖWM einen Trend zum Export von Qualitäts- und Prädikatswein im Tank statt in der Flasche. Als Folge stagnierte die Wertschöpfung, weil heimischer Tankwein, vor allem als Sektgrundwein für die Weiterverarbeitung, als austauschbares Rohprodukt geringere Literpreise erzielt als Spezialitäten in der Flasche.

Schere am Markt öffnet sich

Gerade die Erfolge im Flaschenweingeschäft, auch auf den Exportmärkten, haben laut Salomon gezeigt, dass die österreichische Weinwirtschaft enorm weitergekommen ist. Auch auf Grund des Wettbewerbsdrucks durch größere internationale Anbieter mit günstiger Kostenstruktur ist aber der Weinpreis im Durchschnittssegment international nicht gestiegen; er hält dort, wo er vor 15 Jahren war. Spitzenweine mit entsprechender Qualität und mit Prestige dagegen erzielen immer höhere Preise. Die Erlöse auf Österreichs unterschiedlichen Exportmärkten 1999 zeigten dies: Auf dem größten Exportmarkt Deutschland, wo Österreich gemäß seinem globalen Produktionspotenzial 1 % Marktanteil insgesamt hält, erzielte heimischer Wein über alle Segmente gerechnet einen Literpreis von rund ATS 18,50 und in Schweden, das bisher eher auf das Durchschnittssegment gesetzt hat, von knapp ATS 27,-. Die Spezialitätenmärkte USA und Schweiz, die zunehmend Enthusiasmus für heimischen Wein entwickeln, brachten dagegen Erlöse von ATS 110,-beziehungsweise fast ATS 81,- pro l.
(Forts.) pos

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