ORF-LANDESSTUDIO NIEDERÖSTERREICH - "INS LAND EINISCHAUN - Von d'Karpfen, d'Erdäpfel und 'm Mohn - Eine Winterreise durch ein neues Waldviertel

Sendetermin: 20. Jänner 2001, 17.05 Uhr, ORF 2

St. Pölten (OTS) - Viele Jahre waren die drei Produkte Karpfen, Erdäpfel und Mohn die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse des "stillen Landes" im Norden Niederösterreichs. "Mehr," so sagen die Waldviertler noch heute, "gabs halt nicht." Aus diesem Grund war das Selbstbewusstsein in dieser Region nicht sehr hoch. Heute zählen jedoch ausgerechnet Waldviertler Karpfen, Erdäpfel und Graumohn zu jenen Delikatessen, die sich kein kosmopolitischer Gourmet entgehen lassen will. Regionale Besonderheiten und Spezialitäten sind zum fixen Bestandteil weltgewandter Genießer geworden, deshalb hat sich auch das Waldviertel auf seine Wurzeln besonnen und ist den Weg von der Masse zur Marke gegangen. Einen weiteren, ganz wesentlichen Unterschied zu früher gibt es auch: heute werden diese Produkte mit sehr viel mehr Selbstwertgefühl angeboten.

Ins Land einischaun besucht die Gründe des ältesten Teichbesitzers im Waldviertel, des Stiftes Zwettl, dessen wirtschaftlicher Leiter Pater Maximilian ist. Interessant ist auch eine Versuchsreihe der "Ökologischen Station Waldviertel" in Schrems. Hier werden, mittels chirurgisch eingesetzter Peilgeräte, die Lebens- und Wandergewohnheiten der Karpfen erforscht. Die Ergebnisse zeigen, dass Karpfen entgegen allen bisher angestellten Vermutungen, den Winter über sehr aktiv sind und in den Teichen umherwandern und daher auch Futter benötigen. Früher mussten die Teichwirte Ausfälle bis zu 30% und mehr verzeichnen ohne die Hintergründe zu kennen. Die wissenschaftliche Arbeit von Prof. Günther Schlott und seinen Mitarbeitern hilft den Teichwirten immer bessere Bedingungen für die Überwinterung der Karpfen herzustellen. Zudem haben die Teichwirte eine Marke geschaffen, die ihr Produkt gegen ausländische Billigimporte schützen soll: den "Waldviertler Karpfen."

Auch die Erdäpfel sind ein typisches Waldviertler Produkt. Längst ist es dem Konsumenten langweilig geworden, sich lediglich mit "Mehligen" oder "Festkochenden" abspeisen zu lassen. Sigma, Sieglinde, Bintje, Agria, Ditta, Kipfler und viele andere mehr, lassen heute die Herzen der Erdäpfel Liebhaber höher schlagen. Die Bauern des Waldviertels haben sich auf diesen Boom eingestellt und produzieren mittlerweile eine große Sortenvielfalt, wie etwa Alois Löschenbrand und seine Familie aus Großgöttfritz.

Der Waldviertler Graumohn wird auch das "graue Gold" genannt. Der "Mohnort" Armschlag hat sich vollständig der Produktion und Veredelung des Graumohns verschrieben. Welch große wirtschaftliche Bedeutung der Mohn hier hatte, sieht man an der Tatsache, dass er als "Zwettler Mohn" bis zum Jahr 1934 an der Londoner Börse gehandelt wurde. Importe aus dem Nahen Osten brachten dann den Mohnanbau zum Erliegen. Erst seit 1980 wurde der Anbau wieder intensiviert. Heute gibt es im Waldviertel wieder 500 Hektar Mohnfelder. Echte Mohnspezialisten sind die Mitglieder der Familie Walther und Edtith Weiß. Nach überlieferter Handwerkstradition reinigt Großvater Weiß den Mohn immer noch mittels einer kleinen Windmühle. Beim "Mohnwirt" des Ehepaars Johann und Rosemarie Neuwiesinger wird ein Menü degustiert, das aus den Grundelementen Karpfen, Erdäpfel und Mohn besteht und in Zukunft ein Schlager auf der Speisekarte werden soll.

Regie: Andi Leitner
Drehbuch: Christian Puluj
Kamera: Heinz Pompe
Redaktion: Christa Langheiter

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