"Neue Zeit" Kommentar: "Kein Einsehen" (von Litsa Kalaitzis)

Ausgabe vom 4. 1. 2001

Graz (OTS) - Darüber, dass der Bundespräsident juristisch gesehen im Recht ist, wenn er die Causa "Lump" vor den Richter bringen will, herrscht weitgehend Einigkeit. Die Frage, ob dem Salzburger FPÖ-Chef mit der Vorliebe zur deftigen Wortwahl durch die strafrechtliche Verfolgung nicht doch zu viel der Ehre angetan wird, scheint die Gemüter schon eher zu entzweien.

Dem Argument, dass das Staatsoberhaupt über Flegeleien derartigen Ausmaßes erhaben sein sollte, ist prinzipiell wenig entgegenzusetzen. Thomas Klestil verzichtete im Frühsommer auch auf eine Strafverfolgung von Hilmar Kabas, der ihn damals als "Hump oder Dump oder so ähnlich" bezeichnet hatte, weil sich solche Aussagen "von selbst richten", wie der Bundespräsident hoffte.

Im Unterschied zum Wiener FPÖ-Chef, der sich seither zumindest in dieser Causa in kluges Schweigen hüllt, hält sein Parteikollege aus dem Salzburgischen mit seiner Meinung über den Bundespräsidenten auch weiterhin nicht hinterm Berg. Der FPÖ-Politiker verweigerte trotz zahlreicher Aufforderungen, auch aus den eigenen Reihen, eine Entschuldigung, gestern betonte er einmal mehr, dass seine Kritik "aufrecht bleibt." So viel Halsstarrigkeit schreit auch bei größter Besonnenheit nach einer Konsequenz.

Diejenigen, die meinen, dass der Bundespräsident dadurch angreifbar geworden sei, seien getröstet: So lange die FPÖ in diesem Land etwas zu sagen hat, wird es für Thomas Klestil noch andere Gelegenheiten geben, das Gegenteil zu beweisen.

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