"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die BSE-Zeche" (von Frank Staud)

Ausgabe vom 4. 1. 2001¶

Innsbruck (OTS) - Das wird teuer: Eine Milliarde Schilling kosten die BSE-Tests in Österreich. Jedes geschlachtete Rind, das älter als 30 Monate ist, muss auf Seuchenverdacht überprüft werden. Allein in Tirol sind heuer 4000 Rinder zu testen.

Es wäre nicht Österreich, würde nicht um die Kosten gestritten. Gerade in Zeiten der Budgetkonsolidierung schieben sich Bund und Länder die Rechnung gegenseitig zu, anstatt sie gemeinsam zu begleichen. Nach der ersten Beruhigung durch Landwirtschaftsminister Molterer ist ein ein Machtwort von Bundeskanzler Schüssel fällig. Doch anstatt die grundsätzliche Frage zu klären, wird eine taktische Vorfrage gestellt: Die Bezahlung der Tests wird davon abhängig gemacht, ob die Resultate positiv oder negativ sind. Doch wegen der hohen allgemeinen Verunsicherung sollten die Verantwortlichen die Sache rasch und unbürokratisch lösen. Denn klar ist, dass nur diese Tests Sicherheit und Vertrauen hinsichtlich des Fleisches schaffen können. Der Streit um die Kosten wirkt dagegen wie eine Farce.

Allerdings haben auch wir Konsumenten uns kritischen Fragen zu stellen. Beste Fleischqualität und billigster Preis sind ein Widerspruch in sich. Aufschrei und Erstaunen wegen der BSE-Krise sind doppelbödig und scheinheilig. Wenn Hersteller und Handel jede Möglichkeit nutzen müssen, um ausgerechnet Fleisch zu Lockpreisen anzubieten, steigt für Konsumenten das Risiko. Wer dieses minimieren will, muss Produkte dort kaufen, wo keine industrialisierte Landwirtschaft betrieben wird und auch etwas tiefer ins Börsel greifen. Oder eben zum billigen Fleisch die teuren Tests bezahlen. Nicht als Konsument, aber als Steuerzahler.

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