"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zu viel der Ehre" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 4.1.2001

Graz (OTS) - Der "Lumpi"-Sager aus der Salzburger Provinz wird
doch noch zum Gerichtsfall und zur Staatsaffäre. Thomas Klestil lässt den FP-Politiker Karl Schnell klagen. Er begründet das pathetisch damit, "dem Amt des Bundespräsidenten den strafgesetzlich vorgesehenen Schutz angedeihen zu lassen".

Schnell hat gestern schnell wiederholt, dass der Begriff im heimatichen Pinzgau die Beziehung zu einem treuen Haustier beschreibe, also geradezu eine Liebeserklärung sei. So viel Sturheit scheint eine richterliche Lektion über den Umgangston unter zivilisierten Menschen zu verdienen. Insofern trifft die Klage keinen Falschen.

Von Souveränität zeugt Klestils Entscheidung, nun die geballte Staatsmacht gegen den Rülpser ausrücken zu lassen, freilich nicht. Er tut Schnell zu viel Ehre an, wenn er sich auf die selbe Stufe stellt. Selbst an der Bassena sucht man sich aus, von wem man sich beleidigen lässt und wer satisfaktionsfähig ist, wie es früher einmal hieß. Mehr Gelassenheit wäre angemessen.

Klestil reagiert als beleidigte Majestät. Er verschanzt sich zunehmend hinter der "Würde" seines Amts. Dass sie durch den kommenden Prozess neuen Glanz bekommt, ist aber wohl ein Trugschluss. ****

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