"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Wo Spaß aufhört" (von Günther Schröder)

Ausgabe vom 3. 1. 2001¶

Innsbruck (OTS) - Beim Geld hört sich in Österreich der Spass auf. Überhaupt, wenn es um das Einkommen geht. Schon vor über zwei Jahren beschloss der Nationalrat ein Verfassungsgesetz, wonach Einkommen im staatlichen und staatsnahen Bereich, die 80.000 Sc hilling pro Monat übersteigen, alle zwei Jahre veröffentlicht werden müssen. Seitdem mühen sich die Prüfer des dafür zuständigen Rechnungshofes redlich, an die Daten auch wirklich heranzukommen.

Doch wie gesagt, beim Geld hört sich hiezulande der Spass auf. Da macht es auch nichts, wenn dieses aus öffentlichen Kassen kommt. Zahlreiche Gebietskörperschaften verweigerten bis zuletzt immer noch die Herausgabe der entsprechenden Daten. Jetzt liegt der Ball beim EuGH in Luxemburg.

So schamhaft ist man nicht in allen Ländern. In den USA kann es bei einer gepflegten Konversation durchaus einmal passieren, dass man gefragt wird, wieviel man denn "Wert" ist. Am konsequentesten in Sachen Offenheit gehen die Schweden die Sache an: Dort wird - wie in einem Telefonbuch - das versteuerte jährliche Einkommen veröffentlicht. Wahrscheinlich ist der Schinken ein Bestseller.

Es ist jeder Gesellschaft überlassen, wieviel Offenheit sie zulässt. Und die Frage, ob die Veröffentlichung von Einkommensdaten gleich zu so etwas wie einer Neidgesellschaft führt, sagt einiges über den Zustand derselben aus. Trotzdem hört sich der Spass eben nicht nur beim Geld, sondern ganz konkret bei öffentlichen Geldern auf. Denn nur Transparenz garantiert Kontrolle. Ein Grundsatz, der übrigens auch im Fall der Parteispenden eines Durchbruchs harrt.

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