"Neue Zeit" Kommentar: "Hoffnung" (von Josef Riedler)

Ausgabe vom 29. 12. 2000

Graz (OTS) - Ein Tag noch, und dann ist - exakte Historiker und kluge Rechner stimmen darin überein - das zweite Jahrtausend unserer Zeitrechnung vorbei, das zwanzigste Jahrhundert auch. Wer Zeitzeuge dieses Jahrhunderts ist, hat mehr an Revolutionen in allen Bereichen erlebt, als irgendeine Generation vor uns: In den Naturwissenschaften, in den Geisteswissenschaften, in der Kunst, im Zusammenleben der Völker und der Menschen, in der Gesellschaft und in der Politik und vor allem im Zugang zum Wissen, in den Informationstechniken. Man könnte meinen, wir haben es geschafft: wir haben Wohlstand und Demokratie, wir haben unseren Frieden. Die schlimmen Zeiten liegen hinter uns mit Hunger und Arbeitslosigkeit, mit Krieg und politischer Verfolgung. Wir dürfen uns freuen, weil wir wissen jetzt: der Friede beginnt im eigenen Haus. Im gleichen eigenen Haus beginnt gerade in unserem Land noch etwas ganz anderes: Dieses Land hat sich auf den Weg gemacht vom Sozialstaat zur Almosengemeinschaft; von der verantwortungsvollen Solidarität mit hungernden Völkern und verfolgten Menschen zur Beschwichtigungs- und Wegschau-Politik; vom denkenden Humanismus zum Rabaukentum der Magengruben-Politiker. Der Weg führt von der Idee des modernen Gemeinwesens hundert Jahre zurück in den geistigen Provinzsumpf. Ein Jahrtausend soll man nicht mit Pessimismus beschließen. Drum: In einer Demokratie gibt es alle paar Jahre Wahlen. Das gibt auch neue Hoffnung.

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