Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik/Ausländer "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Zu einer Quote verfremdet

Ausgabe vom 1. Sept. 2000 Klagenfurt (OTS) Zu einer Quote verfremdet. Ein verlorenes Jahr für die Anliegen der Menschenrechtsorganisationen - das ist 2000 für "SOS-Mitmensch. Ein wahres Wort, lässt man die Ausländerpolitik, ihre Polemik gegen das "Fermde", die von ihr geschürten Ängste, ihre Verbalattacken Revue passieren. Es war ein verlorenes Jahr für die Menschlichkeit. Die Rede war von zu hohen und zu niedrigen Ausländerquoten, nicht aber von den menschenlichen Schicksalen, die sich dahinter verbergen. Nur eine Ausnahme gab es: Als sich die Ausländer plötzlich in Arbeitskräfte verwandelten, in Hightech-Experten, die man notwendig brauchen könnte, da erklärte sich sogar ein Minister kurzfristig bereit, sonst eng gesteckte Grenzen mit einem Schlag zu sprengen. Auch hier ging es wieder um "Quoten" - die von der Wirtschaft vorgegeben wurden. Solche Forderungen wurden zum breitgetretenen Diskussionsthema, nicht aber die Hilfsbedürftigkeit von vertriebenen Menschen, Flüchtlichen, Schubhäftlingen. Ihr ganz individuelles Leid wurde zu einer abstrakten Zahl verfremdet. Verloren gegangen ist in diesem Jahr das Mitleid für diese Einzelschicksale. Mitleid ermöglicht Entscheidungen, die über reine Paragraphenreiterei hinausgehen. Politik ist menschlich, wenn sie einen Weg für eine Unterschlupf suchende Flüchtlingsfamilie mit einem kranken Kind findet - wie auch immer. Sie versteckte sich jedoch hinter Gesetzen und Zuständigkeiten. Mitleid heißt, Ausländerfamilien nicht auseinander zu reißen. "Zählen" Familien nur, wenn sie inländische sind, hat unser Leben an Qualität verloren.

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