Heinz Fischer zum 50. Todestag von Karl Renner

Wien (SK) In der Geschichte der österreichischen Republik hat es nur eine einzige Persönlichkeit gegeben, die jede der drei höchsten Staatsämter, nämlich jenes des Regierungschefs, des Parlamentspräsidenten und des Staatsoberhauptes, ausgeübt hat: Karl Renner, erklärte heute Nationalratspräsident Heinz Fischer. Er bezog sich dabei darauf, dass vor genau einem halben Jahrhundert, am Silvestertag des Jahres 1950, Karl Renner im Alter von 80 Jahren gestorben ist; "Anlass, eines Mannes zu gedenken, der die österreichische Geschichte des 20. Jahrhunderts wesentlich mitgeprägt hat", so Fischer am Freitag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. ****

"Um seine Bedeutung zu ermessen, gilt es zu bedenken, dass Karl Renner die erwähnten Staatsämter jeweils in besonders neuralgischen Phasen der Geschichte der Republik ausgeübt hat: Als Staatskanzler hat er die Republik 1918/1919 aus den Trümmern der österreichisch-ungarischen Monarchie begründet; im April 1945 hat er sie, nach der Katastrophe der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des Zweiten Weltkrieges, in der gleichen Funktion wiedererrichtet", erklärte Fischer.

"Als in der Zwischenkriegszeit das Zerwürfnis zwischen den großen politischen 'Lagern' Österreichs bereits bedrohliche Ausmaße angenommen hatte, übernahm er (1930) die Funktion des Präsidenten des Nationalrates, was viele Menschen mit der Hoffnung erfüllte, der als konsensorientierter, ausgleichender Politiker bekannte Karl Renner würde in dieser Funktion die Parteiengegensätze zu mildern vermögen. Tatsächlich ist Karl Renner im März 1933 im Zusammenhang mit der sogenannten Selbstausschaltung des Nationalrates gescheitert, und sein Scheitern wurde benutzt um das Ende der Demokratie in Österreich herbeizuführen", so Fischer weiter.

"Nach dem Wiedererstehen eines selbstständigen und demokratischen Österreich hat Karl Renner, nachdem er bis zum Dezember 1945 der provisorischen Staatsregierung vorgestanden war, als Bundespräsident in den letzten fünf Jahren seines Lebens den Österreicherinnen und Österreichern als politischer und emotionaler Rückhalt in schwerer Zeit gedient und ist zum 'Vater der Nation' geworden", betonte der Nationalratspräsident.

"In der jüngeren Vergangenheit ist das Bild dieses 'Vaters der Nation' teilweise kritischer gesehen worden: Vor allem sein 'Anschluss'-Interview vom 3. April 1938 - wie immer es auch motiviert gewesen sein mag - hat Schatten auf sein Andenken geworfen, so dass wir Renner heute als markanten österreichischen Staatsmann mit enormen Verdiensten, aber nicht frei von Fehlern, betrachten", sagte Fischer.

"Wer Karl Renner gerecht werden will, muss eben auch für ihn das Wort Bruno Kreiskys gelten lassen: Je weiter vorne einer steht, desto sichtbarer werden seine Schwächen. So können wir in Karl Renner heute einen österreichischen Staatsmann sehen, der in seiner acht Jahrzehnte umfassenden Lebensspanne, worin er mehr als drei Jahrzehnte hindurch wichtige öffentliche Ämter ausgeübt hat, auch Schwächen sichtbar werden ließ, der jedoch zwei Mal unter schwierigsten Umständen die Republik mitbegründet hat und dessen Bemühen um die Schaffung eines staatspolitischen Grundkonsenses über Parteigrenzen hinweg jedenfalls ein wesentlicher Anteil an der Erfolgsgeschichte der Zweiten Republik gebührt. Er bleibt daher einer der Großen aus der jüngeren Geschichte unseres Landes", betonte der Nationalratspräsident abschließend. (Schluss) wf/mp

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