"Neue Zeit" Kommentar: "Zauberformel" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 29. 12. 2000

Graz (OTS) - Der Arbeitsmarkt ist ein höchst diffiziles Gebilde, weshalb solch paradoxe Zustände eintreten können, wie sie auf dem Gebiet der sogenannten "New Economy" derzeit in Europa zu finden sind. Informationstechnologie-Experten sind Mangelware, während auf der anderen Seite im Vereinten Europa selbst bei Hochkonjunktur jeder Zwölfte erwerbsfähige Mensch arbeitslos ist.

Die Lösung des Problems präsentierte uns gestern Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der auch einmal Wirtschaftsminister war: Kinder kriegen, kürzere Ausbildungszeiten, höheres Pensionsalter lautet die Zauberformel des Regierungschefs. So einfach ist das, wenn man angesichts einer EU-Arbeitslosenquote von 8,2 Prozent die Ansicht vertritt, dass in Österreich nicht die Arbeit ausgehe, sondern die Arbeitskräfte fehlen würden.

In jenem ganz speziellen Bereich aber, wo derzeit wirklich Arbeitskräfte fehlen, in der Informationstechnologie eben, ist Schüssel strikt gegen die Zuwanderung von Fachkräften. Da sind wir schon lieber für mehr ausländische Saisonniers, die im Fremdenverkehr für geringe Entlohnung schuften. Zuwanderungs-Stopp, wo selbst für viel Geld keine Fachkräfte zu finden sind, offener Arbeitsmarkt dort, wo für etwas bessere Bezahlung genug inländische Hilfskräfte zu finden wären.

Also liebe Wirtschaftstreibende, die ihr Informatiker sucht, und liebe Arbeitslose, die ihr keine solchen seid: Kinder kriegen, kürzer lernen und später in Pension gehen. Das kann doch so schwer nicht

sein.

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