Wirtschaftsblatt-Kommentar 23.12.2000: Die Telekom wünscht frohe Weihnachten (von Leo Himmelbauer)

Wien (OTS) - Was kommt dabei heraus, wenn man dem Volk etwas vorgaukelt? Eine schöne Bescherung. 90.000 Österreicher haben sich von der Telekom Austria das Weihnachtsgeld aus der Tasche ziehen lassen. Die Telekom-Aktie liegt fünf Wochen nach dem Börse-Auftritt 30 Prozent im Minus. Fürwahr: ein nettes Geschenk. Wir lassen herzlich danken. Dass Telekom-Boss Heinz Sundt die 241 österreichischen UNO-Soldaten auf Zypern und die 369 Blauhelme auf den Golanhöhen am 24. und 25. Dezember gratis in die Heimat telefonieren lässt, ist auch herzig. Wie heisst es doch gleich in der gestrigen Presseaussendung: Es sind ja etliche Familienväter unter den Soldaten. Der Anruf zu Hause stellt für sie alle sicher eine willkommene Abwechslung dar. Ehrlich: Wir können die Werbetrommeln schon nicht mehr hören. Wir fordern ein wenig Licht ins Dunkel. Aber nicht von Sundt allein, der mit dem von vorn bis hinten misslungenen Telekom-Börsegang gestraft genug ist. Der Leitindex der Wiener Börse hat seit Jahresbeginn zwölf Prozent nachgegeben. Die traurige Botschaft, die sich für potenzielle Aktionäre aus der Dauerschwäche des ATX ableitet: Wer in Wien investiert, gehört zu den Verlierern. Machen wir Schluss mit den stillen Börseeinführungen. Schmeissen wir die vielen Scheinaktien weg, die wegen des Alibi mässigen Streubesitzes höchstens ein paar Humpler schaffen, die Kurslisten verstopfen und dem Insiderhandel Tür und Tor öffnen. Verzichten wir auf die PR- und IR-Maschinerien, wenn sie bloss mit schöngefärbten Meldungen auf Journalisten und Analysten schiessen dürfen. Vor allem:
Gaukeln wir den Anlegern nichts vor, weder Hoffnung auf Kursgewinne noch Hoffnung auf stabile Jahresgebnisse oder in Grenzen bleibende Verluste noch Hoffnung auf irgendwelche Deals. Unternehmen, die an der Wiener Börse notieren, haben es ohnehin schwer genug. Selbst Rekordergebnisse und über den Erwartungen liegende Zuwächse werden auf dem Anlegerparkett unter den Teppich gekehrt. Wir brauchen niemanden, der uns auch noch Seifenblasen an den Christbaum hängt. Das Vertrauen in den österreichischen Kapitalmarkt kann nur mit einer Radikalkur wiederhergestellt werden. Sie muss aber von den Unternehmen mitgetragen werden. (Schluss) lh

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