VHS: Berührendes Ergebnis der Ausstellung "Gelebt und vergessen"

"Dinge, die nicht uns gehören, müssen zurückgegeben werden"

Wien, (OTS) Frau Hannelore Seifert aus Hietzing will geraubte Gegenstände zurückgeben. Zwei Bronzestatuen, eine Porzellanfigur und ein Hutschenreuther Häferl. Ein berührendes Beispiel der Spurensuche nach den vertriebenen und ermordeten Juden in
Hietzing. Die Ausstellung der Volkshochschule Hietzing "Gelebt und vergessen" war für viele der Anstoß mit der Geschichte von Häusern, Nachbarn mit der verdrängten Geschichte von Hietzing auseinander zu setzen. Die geraubten Gegenstände sind auch im Internet www.vhs-hietzing.at/ zu sehen. Im Jahr 1938 heiratet die Mutter von Hannelore Seifert und bekommt von ihrer Tante vier Gegenstände. Zwei Bronzefiguren, eine Porzellantänzerin und ein Schokoladehäferl mit Unterteller von Hutschenreuther. Diese Geschenke waren immer mit einem besonderen Makel behaftet. "Als Kinder haben wir das unterschwellig, latent immer gewusst",
erinnert sich die 1939 geborene Hannelore Seifert. Nach dem Krieg begannen die Kinder nachzufragen und da fiel der Satz: "Die Tante hat damals gesagt: Besser meine Nichte bekommt das
als die Nazis nehmen es mit.". Die Tante war Walpurga Nasskau, die Witwe eines Militärkapellmeisters, der in Split stationiert war. Als Köchin hat Frau Naskau bei verschiedenen jüdischen Familien gearbeitet, wie Frau Seifert jetzt herausgefunden hat. "Sie hat immer ein Geheimnis darum gemacht, sie hat sich immer geniert,
dass
sie als Frau Musikkapellmeisterin sich ihr Geld als Köchin verdienen musste."

Durch vier Jahre hindurch hat Frau Naskau bis zum 31. März 1938 bei Max König als Hausgehilfin und Köchin in der Seidengasse 25/3/13 gearbeitet. Danach ist sie bei der Witwe beschäftigt: vom November 1938 bis Jänner 1939 bei Ernst König, der vom 16. Jänner 1939 bis zum 17. Juni 1941 in der Kupelwiesergasse 12/5 gelebt
hat. Von der Kupelwiesergasse musste Herr König in den 2. Bezirk übersiedeln, von wo er am 26. Jänner 1942 nach Riga deportiert und ermordet wurde.
"Wir haben versucht mit der Mutter zu reden, sie hat aber gesagt, alles muss so bleiben zu ihren Lebzeiten. Wenn ich einmal
gestorben bin, dann könnt ihr mit den Geschenken machen was ihr wollt. Dieses Jahr im Sommer ist sie gestorben. Jetzt wollen wir
sie zurückgeben."

Die Mutter von Frau Seifert wollte die Realität der Nazi-Zeit nie zur Kenntnis nehmen. "Meine Mutter war Jahrgang 1920 und wenn wir zu ihr gesagt haben, wann haust Du endlich diese
Schundliteratur weg: "Mein Kampf" und das ganze Zeug, dann hat sie immer nur gesagt: Behandelts mich doch nicht wie ein Nazi-Weib,
ich hab mit dem nichts zu tun gehabt. Was soll man so einer alten Frau sagen?"
Dass der Wohnungswechsel der Eltern im Jahr 1943 ebenfalls eine Folge der Vertreibung einer jüdischen Familie war, ist Frau
Seifert erst spät zu Bewusstsein gekommen. "Wir hatten eine ganz kleine Wohnung im 9. Bezirk: Ein Zimmer ein Kabinett, ein Bad und eine Kochnische, winzig klein, bis 1943. Meine Eltern haben dann
im 4. Bezirk eine 130 m2 große Wohnung mit Nebenräumen und Speiskammer mit
Parkettboden und Seidentapeten bekommen. Wir haben einmal meine Mutter gefragt, was eigentlich mit den Leuten passiert ist, die vorher dort gewohnt hatten, denn es sind ja noch Dinge in der Wohnung geblieben, ein komplett eingerichtetes Herrenzimmer mit Beleuchtung, z.B. ein Bild von Richard Wagner in einem alten
Rahmen. Die Mutter hat immer gesagt, den Leuten ist die Wohnung zu groß geworden, sie wollen eine kleinere. Jetzt erst mit diesen Diskussionen um die arisierten Wohnungen ist es mir wie Schuppen
von
den Augen gefallen."

Die geraubten Gegenstände sind auch auf der homepage der Volkshochschule Hietzing zu sehen. www.vhs-hietzing.at/, wo auch mehr über das Projekt "Juden in Hietzing" zu lesen ist. (Schluss) vhs

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