"Neue Zeit Kommentar": "Suche los" von Peter Kolb

Ausgabe vom 22.12. 2000

Graz - (OTS) - Noch sind es rund drei Jahre Zeit, bis die ersten Namen für mögliche Kandidaten zur Nachfolge von Bundespräsident Thomas Klestil genannt werden. Klestil kann laut Verfassung nicht ein drittes Mal hintereinander kandidieren. Seine Gegner bei der letzten Wahl am 19. April 1998 waren mit Richard Lugner und Karl Nowak zwei "Juxkandidaten" sowie mit Gertraud Knoll und Heide Schmidt zwei Frauen, die heute von der politischen Bühne verschwunden sind. Bemerkenswert damals: Die SPÖ verzichtete auf einen eigenen Kandidaten und bescherte ihren Anhängern damit die Qual der Wahl. Vielleicht hätte sich trotz eines SPÖ-Kandidaten am Wahlsieg des von der ÖVP nominierten Thomas Klestil nichts geändert. Doch allein mit dem Verzicht gab die Partei die Chance auf eine Position auf, die ihr nun, nach dem Verlust der Macht, gut zu Gesicht stehen würde. Im Zuge der Spitzelaffäre war es beispielsweise SPÖ-Klubobmann Peter Kostelka am vergangenen Wochenende, der Klestil lobte: Der Präsident habe als einziger die laufende Kampagne gegen die Justiz zurückgewiesen. In der Tat: Der ÖVP-nahe Klestil hat die ÖVP für ihr Schweigen gegenüber den FPÖ-Ausritten gegen Richter und Staatsanwälte so scharf gerügt, wie es ihm sein Amt gestattet. Ein Präsident aus den eigenen Reihen hätte wahrscheinlich noch deutlichere Worte gefunden. Den Kandidatur-Verzicht bereut man in der SPÖ wahrscheinlich schon, die Suche nach einem Kandidaten sollte schön langsam beginnen.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Neue Zeit, 0316/2808-306

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/OTS