"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zum Staunen" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 22.12.2000

Graz (OTS) - Rechnungshofprüfer sind keine Ideologen, sondern wohlbestallte Beamte. Ihre Tätigkeit bringt es mit sich, dass sie Ungereimtheiten gewohnt sind. Wenn sie etwas zum Staunen finden, muss es schon ein starkes Stück sein.

Die Art, wie der Fiskus die Konzerne hätschelt, ist eine solche Ausnahme. Der jüngste Rechnungshofbericht fasst, wie üblich, die Beobachtung von ein paar Monaten Aktenstudium zusammen. Aber in den dürren Zeilen ist - völlig unüblich - auch ein ungläubiges Staunen spürbar, wie die Großen - relativ zu ihrem Umsatz - fast nichts zahlen und die Kleinen geschröpft werden. Wie die Steuerbegünstigungen für die Konzerne durch die Praxis des Vollzugs noch potenziert wurden.

Der kleine Angestellte sieht den Teil seines Gehaltes gar nicht, den der Staat für sich beansprucht; er kann nicht in Zahlungsverzug kommen. Den umsatzstärksten Unternehmungen räumt man durch die Vorschreibung bloßer Mindestsätze und großzügige Fristen Kredite ein.

Wer hat, dem wird gegeben - das ist auch eine Bilanz der vergangenen SP-Ära. Man kann es den Prüfern nachfühlen. Gelegentlich ist es schwer, nicht zum Klassenkämpfer zu werden.

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