DER STANDARD - KULTUR: "Große Pläne für ein großes Haus" (von Thomas Trenkler)- Erscheinungstag 21.12.00

Die Albertina soll ab 2002 wieder ein barock- klassizistisches Baujuwel sein - samt überdachtem Innenhof und einer weithin sichtbaren "Landmark". Für die Komplettrenovierung fehlen aber noch 270 Millionen Schilling

Wien (OTS) - Im Frühjahr 1945 war das Palais Sylva-Tarouca -zusammen mit dem Palais Alberts von Sachsen-Teschen als "Albertina" bekannt - bei einem Bombenangriff schwer zerstört worden. Bis 1953 wurde das Museum für die weltweit größte Sammlung graphischer Kunst zwar wieder funktionstüchtig gemacht, aber um welchen Preis:

Die Rampe in der Augustinerstraße wurde abgetragen und durch eine steile Treppe ersetzt. Das ehemalige Erdgeschoss hing dadurch in der Luft - und so brachte man vor der schwebenden Eingangstüre einen plumpen Balkon an. Die Giebel und Figuren wurden herunter geschlagen, die Fresken im Inneren weiß übertüncht, die Arkaden des Hofes geschlossen, der Danubius- Brunnen der Bastei verkleinert und schließlich zum Versiegen gebracht.

Mit all diesen plumpen Veränderungen will sich Klaus Albrecht Schröder, seit einem Jahr Direktor der Albertina, aber nicht abfinden: Im Herbst 2002, nach Ende der laufenden Renovierungs- und Ausbauarbeiten, wird man das Palais wieder durch seinen Haupteingang auf der Bastei betreten - und von dort in den Innenhof gelangen, der mit Zustimmung des Denkmalamtes überdacht sein wird.

"Die Frage ist: Wie gehen wir mit der Geschichte um? Akzeptieren wir, was 1945 und danach passiert ist - oder rekonstruieren wir die historische Substanz, wo immer wir dies können? Ich bekenne mich zum Rekonstruieren. Weil das, was aus den 50er Jahren stammt, nicht 50er-Jahr-Architektur ist, sondern aus Gründen der Kostenersparnis gemacht wurde." Das heißt: Die Arkaden und Fresken werden nun freigelegt, die Zwischendecken entfernt und die Waschbetonplatten durch Stein ersetzt.

Schröder denkt zudem an eine attraktivere Neugestaltung des Umfelds. Seit Monaten sinniert er über eine Aufstiegshilfe, die Wahrzeichen nicht nur der Albertina, sondern auch des Platzes sein soll, da er ihn als "Eingangstor" für die Innenstadt ansieht. "Die Maßnahmen nach 1945 dienten der Verkehrsbescheunigung. Das ist Geschichte. Jetzt muss eine neue Geschichte beginnen."

Als Impuls schrieb er kürzlich einen Wettbewerb aus, zu dem Zaha Hadid, Hans Hollein, Wilhelm Holzbauer, Coop Himmelb(l)au sowie Steimayer&Mascher (das Team betreut den Bau des Tiefspeichers und des Studiensaales) eingeladen wurden. "Alle sind mit Feuereifer dabei", berichtet Schröder. "Wobei der Weg das Ziel ist: Egal, ob Schrägaufzüge, Lifte, Rolltreppen - es muss eine symbolische Landmark werden. Aber eine, die Rücksicht nimmt auf die Geschichte des Ortes."

Mitte Februar soll die Entscheidung der Jury - u. a. mit Carl Pruscha, dem scheidenden Rektor der Akademie, und Thomas Krens von der Guggenheim Foundation - fallen. Die Fertigstellung ist für den Sommer 2002 vorgesehen.

Die ehrgeizigen Pläne kosten allerdings weit mehr, als der Wirtschaftsminister auszugeben gedenkt: Martin Bartenstein sicherte 590 Millionen Schilling zu - 420 Millionen für die unterirdischen Erweiterungsbauen und deren 170 für die Basisrenovierung.

Die Sanierung der Prunkräume und des "Goldkabinetts", die Freilegung der Malereien, die Erschließung der Bastei und die Instandsetzung des Danubius-Brunnens schlagen sich aber noch mit weiteren 270 Millionen zu Buche. Schröder verhandelt derzeit mit einem großen Versicherungsunternehmen - und hat für die "Landmark" bereits einen Sponsor gefunden: Der Unternehmer Erwin Soravia junior finanziert sowohl den Wettbewerb wie auch die Realisierung.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 531 70/428Der Standard

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST/OTS