Wege aus dem Reformstau in der Gesundheitspolitik / Perspektiven und Konzepte für das deutsche Gesundheitswesen im wissenschaftlichen Springer-Verlag erschienen

Heidelberg (ots) - Allein in den letzten zehn Jahren gab es mindestens ein halbes Dutzend größerer Eingriffe des Gesetzgebers in unser Gesundheitssystem. Dass es damit ausreichend therapiert ist, kann im Ernst niemand behaupten. Im Gegenteil: Im jüngsten World Health Report der Welt-Gesundheits-Organisation WHO landet das deutsche Gesundheitswesen nur abgeschlagen auf Platz 25, weit hinter dem Erstplatzierten Frankreich und dem Zweiten Italien. Schuld an diesem enttäuschenden Abschneiden ist nicht etwa eine mangelnde Qualität unserer Gesundheitsversorgung. Sie schneidet bei der WHO sogar recht gut ab. Aber unser Gesundheitssystem verursacht auf Grund mangelnder Effizienz zu hohe Kosten - mittlerweile weit über eine halbe Milliarde Mark pro Jahr. Gleichzeitig resultiert aus dem hohen Versorgungsstandard keine verbesserte Lebenserwartung der Bevölkerung. Im Gegenteil: Die Menschen in den meisten der europäischen Nachbarländer haben eine um ein bis drei Jahre längere Lebenserwartung bei guter Gesundheit.

Das soeben bei Springer erschienene Buch Die Zukunft des deutschen Gesundheitswesens beschäftigt sich sowohl mit der Effizienz als auch mit der Wirksamkeit des deutschen Gesundheitssystems. Die Herausgeber des Buches, Dr. Rainer Salfeld und Dr. Jürgen Wettke -beide Direktoren bei der Unternehmensberatung McKinsey & Company -und ihre Mitautoren zeigen praktikable Wege auf, wie die Finanzierbarkeit und die Qualität des Systems gesichert werden können. Mit analytischem Augenmaß räumen sie einige hartnäckige Vorurteile und falsche Annahmen über das Gesundheitssystem aus. Und sie öffnen den Blick über die Grenzen, vor allem in die Niederlande und in die Schweiz.

Das Fazit des Buchs: Ohne eine grundlegende Reform des Gesundheitswesens wird entweder die medizinische Versorgung für Teile der Bevölkerung dramatisch schlechter, oder der zu erwartende Kostenanstieg sprengt die Belastungsgrenzen der sozialen Sicherungssysteme. An die Politik richtet sich deshalb der Appell, den bisherigen Weg inkrementeller und inkonsistenter Veränderungen von gesetzlichen Rahmenbedingungen zu verlassen und die Normen für ein durchdachtes, langfristig stabiles und damit für alle Beteiligten berechenbares Gesundheitssystem zu schaffen. Krankenkassen und Privatversicherer werden endgültig ihre tradierte Rolle als Abrechnungsstelle aufgeben müssen, um stattdessen Lotsen für den Patienten zu sein, ihm Zugang zu den jeweils qualifiziertesten Leistungsanbietern geben. Dieser Wandel wird einigen besser gelingen als anderen: Von den privaten Krankenversicherern wird ein Drittel in zehn Jahren vom Markt verschwunden sein und auch die gesetzlichen Krankenversicherungen stehen nicht unter Artenschutz.

Die Leistungserbringung in Krankenhäusern und ambulanten Einrichtungen wird sich nach Ansicht der Autoren in den nächsten Jahren ebenfalls fundamental verändern: Mit Einführung von DRGs als Abrechnungssystem ist der Hebel für eine Restrukturierung der deutschen Krankenhauslandschaft bereits gesetzlich verankert. Und im kassenärztlichen Bereich wird eine fortgesetzte Budgetierung bei wachsendem Leistungsangebot für einen beschleunigten Strukturwandel sorgen. Dieser wird durch integrierte Versorgungsmodelle noch beschleunigt. Und schließlich wird sich der Patient als mündiger Bürger eine aktivere, informiertere Rolle im Gesundheitssystem suchen: Er wird nicht nur seinen Versicherungsschutz, sondern auch die empfangenen Diagnostik- und Therapieleistungen zunehmend selbst gestalten.

Mit zahlreichen Beispielen und Hinweisen erläutern die Autoren, welche Chancen jeder Einzelne (als Arzt, Krankenhausmanager, Krankenkassenvertreter oder Politiker) hat, mit Weitsicht, Mut und Beharrlichkeit das Gesundheitssystem weiterzuentwickeln. Nur durch den Beitrag von vielen wird Deutschland wieder in die Spitzenliga der WHO kommen: mit einem Gesundheitssystem, das für alle zugänglich, leistungsfähig und finanzierbar ist.

Rainer Salfeld, München; Jürgen Wettke, Düsseldorf (Hrsg.)
Die Zukunft des deutschen Gesundheitswesens
Perspektiven und Konzepte
DM 69,-; öS 504; sFr 63,-
ISBN 3-540-41220-4

ots Originaltext: Springer-Verlag
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