OeNB - Die österr.Zahlungsbilanz in den Monaten Jänner bis Oktober 2000

Auf Basis von Zahlungsströmen; "Cash-Basis"

Wien (OTS) - Im Berichtszeitraum Jänner bis Oktober 2000 wies
die österreichische Leistungsbilanz ein Defizit in Höhe von
4,88 Mrd Euro (67 Mrd S) auf; gegenüber der gleichen Periode
1999 war das Leistungsbilanzdefizit damit um 0,88 Mrd Euro
(12 Mrd S) höher; das Oktober-Ergebnis bestätigte den seit Juli
zu beobachtenden Trend einer deutlich abgeschwächten Defizitzunahme.

Die Entwicklung der Warenzahlungen war wie schon während des ganzen Jahres die wesentliche Bestimmungsgröße: Die Zahlungen für Warenimporte stiegen um 19 % und die Exporterlöse um 18 %,
was eine Erhöhung des Defizits um 1,40 Mrd Euro auf
6,00 Mrd Euro ergab. Die dynamische Entwicklung des österreichischen Außenhandels ist auf die gute konjunkturelle Entwicklung im gesamten Euroraum zurückzuführen, wobei der
Anstieg der Importzahlungen insbesondere im ersten Halbjahr 2000 zusätzlich durch Preiseffekte - resultierend aus dem US$-Kursanstieg und höheren Rohölpreisen - verstärkt wurde. Nach dem Wegfall des im ersten Halbjahr 2000 gegebenen Basiseffekts
aus dem Rohölpreisanstieg haben sich seither die
Importzuwachsraten abgeschwächt.

Die Dienstleistungsbilanz zeigte für die ersten zehn Monate
2000 mit 3,56 Mrd Euro ein etwa gleich hohes Aktivum wie im entsprechenden Vergleichszeitraum 1999. Im Vorjahresvergleich verbesserte Ergebnisse erbrachten insbesondere die Kommunikationsdienstleistungen und Transithandelserträge.
Dagegen nahm der Reiseverkehrsüberschuss um 0,28 Mrd auf
1,48 Mrd Euro ab, wobei die Reiseverkehrsausgaben der
Österreicher im Ausland mit 8 % deutlich stärker wuchsen als die Reiseverkehrseinnahmen mit 3 %.

Das Nettodefizit in der Einkommensbilanz lag mit
0,88 Mrd Euro unter demjenigen der Vergleichsperiode des
Vorjahres (1,13 Mrd Euro). Höhere Nettoabflüsse aus Direktinvestitionseinkommen wurden durch die positive
Entwicklung des Saldos der Einkommen aus Sonstigem und aus Portfolioinvestitionen mehr als kompensiert.

Auch das Defizit der Laufenden Transfers war mit
1,57 Mrd Euro geringer als in der Vergleichsperiode des
Vorjahres (1,82 Mrd Euro), jenes der Vermögensübertragungen dagegen mit 0,23 Mrd Euro höher (1-10/1999: 0,12 Mrd Euro).

Die Kapitalbilanz schloss im Berichtszeitraum mit einem im Vergleich zu den ersten zehn Monaten 1999 höheren Nettokapitalimport, der von den Kapitalzuflüssen aus Portfolioinvestitionen dominiert wurde.

In den letzten Monaten setzte sich die erfolgreiche
Platzierung österreichischer Schuldverschreibungen im Ausland weiter fort. Ausländische Anleger erwarben ein um 6,18 Mrd Euro höheres Volumen an österreichischen Wertpapieren
(27,72 Mrd Euro) als in den ersten zehn Monaten 1999 und zwar insbesondere langfristige festverzinsliche Wertpapiere. Österreichische Anleger kauften dagegen nur um 0,37 Mrd Euro
netto mehr ausländische Wertpapiere im Ausmaß von
22,52 Mrd Euro, wobei der Erwerb von Anteils- und
Geldmarktpapieren zu- und jener von langfristigen
festverzinslichen Wertpapieren abnahm.

Die Direktinvestitionen des Auslands in Österreich waren im Berichtszeitraum mit 2,04 Mrd Euro um 0,86 Mrd Euro höher als in der Vergleichsperiode 1999, die Direktinvestitionen Österreichs
im Ausland mit 2,44 Mrd Euro um 0,24 Mrd Euro. Per saldo ergab
sich für die ersten zehn Monate 2000 ein deutlich niedrigerer Kapitalabfluss als in der Vergleichsperiode 1999.

Die grenzüberschreitenden Kapitalströme unter dem Titel Sonstige Investitionen wiesen in den ersten zehn Monaten 2000
mit 1,00 Mrd Euro einen geringeren Nettokapitalimport als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (5,34 Mrd Euro) auf.

Der Saldo aus Finanzderivaten drehte in der
Beobachtungsperiode von einem Nettokapitalexport in Höhe von
0,31 Mrd Euro auf einen Nettokapitalimport von 0,21 Mrd Euro.

Die offiziellen Währungsreserven zeigten seit Jahresbeginn
eine Abnahme von 0,28 Mrd Euro gegenüber 1,78 Mrd Euro in der Vergleichsperiode des Vorjahres.

ZAHLUNGSBILANZDATEN FÜR Oktober Jänner bis Oktober
1999 2000 1999 2000
in Mrd Euro

Warenzahlungen ............ -0,37 -0,19 -4,60 -6,00 Eingänge ............... 5,63 6,99 53,10 62,57 Ausgänge ............... 6,00 7,18 57,71 68,57 Dienstleistungen .......... 0,07 0,22 3,55 3,56 Eingänge ............... 1,64 1,89 18,64 20,09 Ausgänge ............... 1,57 1,67 15,09 16,53 hievon: Reiseverkehr ..... -0,11 -0,03 1,76 1,48 Eingänge ............... 0,66 0,76 9,14 9,43 Ausgänge ............... 0,76 0,79 7,38 7,94 Einkommen ................. -0,25 -0,23 -1,13 -0,88 Eingänge ............... 0,72 1,06 7,14 9,69 Ausgänge ............... 0,97 1,29 8,27 10,56 Laufende Transfers ........ -0,27 -0,21 -1,82 -1,57 Eingänge ............... 0,13 0,17 1,98 2,19 Ausgänge ............... 0,40 0,38 3,79 3,76

1) Zunahme: -; Abnahme:+.
Rundungen können Rechnungsdifferenzen ergeben

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