Kommentar 19.12.2000 - Was fehlt, ist die nationale Strategie von Evelyn Holley-Spieß

Wien (OTS) - Wilfried Schöfer, Geschäftsführer des Softwareherstellers Oracle, bringt die unsägliche Diskussion über den Mangel von IT-Spezialisten auf den Punkt: Was Not tut, ist eine nationale Strategie. Als Basis dafür wünschen sich die Unternehmer einen einheitlichen Ansprechpartner in der Regierung. Den wird es aber noch lange nicht geben. Denn mit dem Ausländer- und Zuwanderungsthema lässt sich nach wie vor billig politisches Kleingeld machen. Und der Wahlkampf für den bevorstehenden Urnengang in Wien hat längst begonnen. Wenig überraschend ist es daher, dass sich die schwarz-blaue Koalition Ende der Vorwoche nicht auf eine liberalere Zuwanderung für IT-Spezialisten einigen konnte. Innenminister Ernst Strasser ist mit seinem ohnehin moderaten Vorschlag, 2001 zusätzlich 2000 Fachleute nach Österreich zu lassen, beim blauen Regierungspartner abgeblitzt. Die Alternative ist wie so oft die Politik der kleinsten Schritte. Nach wie vor versucht Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, innerhalb der bestehenden Quote umzuschichten. Statt neuer Flüchtlingskontingente sollen die Quoten für Manager inklusive IT-Fachleute erhöht werden. In Richtung Osten gibt es seit gestern ein vorsichtiges Signal: Das Kontingent für Grenzgänger zwischen Ungarn und Österreich wird von 900 auf 1200 ausgebaut. Auch der Innenminister hat noch nicht aufgegeben und will im Jänner über seinen Vorschlag weiterverhandeln. Der IT- und Telekommunikationsbranche läuft indessen freilich die Zeit davon. Ihren Schätzungen zufolge werden in Zukunft 10.000 Mitarbeiter pro Jahr benötigt. Nur rund die Hälfte sei über den heimischen Arbeitsmarkt abzudecken. Um das Problem langfristig in den Griff zu kriegen, werden die Betriebe nicht umhin kommen, sich verstärkt an der Ausbildung zu beteiligen. Stichwort: firmeneigene Fachkräfteakademie. Auch die engere Zusammenarbeit zwischen Unis und Fachhochschulen einerseits und den Unternehmen andererseits ist ausbaufähig. Klar ist aber, dass diese Initiativen erst mit einer Zeitverzögerung von drei bis fünf Jahren schlagend werden. Die Koalition wird vor allem in dieser Übergangsfrist Farbe bekennen müssen, wie ernst es ihr mit der Stärkung des Wirtschaftsstandorts wirklich ist. Ein liberalerer Zuzug von hoch qualifizierten Fachleuten samt ihren Familien ist auf Dauer nicht zu verhindern. (Schluss)

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